Der Weltklimarat (IPCC) veröffentlicht Sonderbericht über den Ozean und die Kryosphäre in einem sich wandelnden Klima

Heute, am 25. September 2019, wurde auf der Pressekonferenz des IPCC in Monaco der „Sonderbericht über die Ozeane und die Kryosphäre in einem sich wandelnden Klima“ vorgestellt. Der Bericht behandelt vor allem die Folgen des Klimawandels auf Küsten und marine Ökosysteme durch den Anstieg des Meeresspiegels.

Die Bundesanstalt für Wasserbau (BAW) untersucht schon seit vielen Jahren in Kooperation mit anderen Behörden und Forschungseinrichtungen die Auswirkungen des Klimawandels auf Bevölkerung, Infrastruktur und Schiffsverkehr. Aus den gewonnenen Erkenntnissen werden Beiträge für die deutsche Anpassungsstrategie zum Klimawandel erarbeitet und der Politik empfohlen. Im Inland liegt dabei ein besonderes Augenmerk auf den sinkenden Wasserständen und Abflüssen in den Binnenwasserstraßen und den daraus resultierenden Herausforderungen für die Schifffahrt. In den Küstenregionen steht dagegen der beschleunigte Meeresspiegelanstieg im Fokus, der sich maßgeblich auf die Landerosion und den Küstenschutz auswirken wird. Die Bewohner der Küste haben seit jeher gelernt, sich durch Deiche vor den alljährlichen Sturmfluten zu schützen. Obwohl die Wasserstände zum Teil Rekordmarken erreicht haben, kam es aufgrund dieser Küstenschutzmaßnahmen in der jüngeren Vergangenheit zu keinen gravierenden Schäden mehr. Derzeit wird in einem interdisziplinären Forscherteam mit Beteiligung der BAW das komplexe Zusammenspiel aus meteorologischen und ozeanographischen Randbedingungen in der Nordsee zusammen mit einem gestiegen Meeresspiegel untersucht. Daraus wird abgeleitet, mit welchen Wasserständen in Zukunft bei Sturmfluten gerechnet werden muss. Diese Erkenntnis ist wichtig, um auch in Zukunft ein ausreichenden Küstenschutz zu gewährleisten (weiterführende Informationen: EXTREMENESS). Auch Sandvorspülungen sind ein wichtiger Bestandteil des Küstenschutzes. Unter dem Titel „Building with Nature“ untersucht die BAW im Auftrag des Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz Schleswig-Holstein (LKN.SH) gemeinsam mit Partnern aus Belgien, Dänemark, Schweden und den Niederlanden die Erosions- und Transportprozesse entlang der Küste. Ziel ist es, natürliche Transportprozesse gezielt zu nutzen, um Maßnahmen wie Sandvorspülungen effizienter und auch kostengünstiger zu gestalten, und den Küstenschutz damit nachhaltig zu stärken (weiterführende Informationen: Building with Nature).

Als zentraler Dienstleister der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV) in Fragen des Verkehrswasserbaus, befasst sich die BAW auch mit dem Bereich Schiffsverkehr. Für strategische und langfristige Investitionsentscheidungen hinsichtlich der Hafeninfrastruktur entstehen durch den Klimawandel wichtige Fragen: Wie werden sich Meeresspiegelanstieg und andere klimawandelbedingte Änderungen auf die Seehäfen auswirken? Kann die Sicherheit und Leichtigkeit des Schiffsverkehrs, sowie die Erreichbarkeit der Häfen auch in Zukunft gewährleistet werden? Wird die Verschlickung der Seehäfen zunehmen? Welche Anpassungsmaßnahmen sind gegebenenfalls notwendig und nachhaltig? Mit diesen und anderen Fragen befasst sich die BAW am Standort Hamburg u.a. im Rahmen des Expertennetzwerkes des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI). Seit 2016 erarbeiten die Ressortforschungseinrichtungen und Fachbehörden innerhalb dieses Netzwerkes Strategien zur Klimaanpassung in den Bereichen Umweltschutz und Risikomanagement (weiterführende Informationen: Expertennetzwerk).

Praktikum an der BAW

Hallo. Mein Name ist Greta und ich studiere im 5. Semester Jura in Leipzig. Aktuell absolviere ich ein Praktikum an der BAW in Karlsruhe in der Verwaltungsabteilung Z1.

Das Jurastudium ist ein sehr arbeitsintensives und nervenaufreibendes Studium, aber es kann auch sehr Spaß machen, wenn man es richtig macht. Leipzig ist eine sehr schöne Stadt und entspricht so überhaupt nicht dem Klischee, das man von einer Oststadt hat. Wer möchte etwa nicht, wie Goethe schon zuvor, Jura in Leipzig studieren? Bei einem Bier im Auerbach´s Keller soll er gesagt haben: „Mein Leipzig lob ich mir. Es ist ein Kleinparis“. Heute hat es eher den Ruf ein Kleinberlin zu sein und stellenweise fühlt es sich dort tatsächlich auch so an. Aber egal, ob Kleinparis oder Kleinberlin, Leipzig ist wunderbar.

Das Praktikum an der BAW ist Teil meines Pflichtpraktikums, das ich im Rahmen meines Jurastudiums vorweisen muss. 90 Tage müssen es insgesamt sein, wovon ich 60 bereits beim Landgericht und der Staatsanwaltschaft in Leipzig absolvierte. Dieses Mal sollte es aber ein verwaltungsrechtliches Praktikum sein. Sie müssen wissen, Verwaltungsrecht gehört bei Studenten nicht zu den populärsten Rechtsgebieten. Die breite Masse meines Studiengangs würde wohl die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, würde ich ihnen erzählen, dass ich den letzten Teil meines Pflichtpraktikums in einer Verwaltung verbringe. Mit Grauen erinnere ich mich an die einschläfernden Verwaltungsrechtsvorlesungen zurück, von denen ich, wie ich leider zugeben muss, gerade mal zwei besucht habe. Es gibt nun mal spannenderes, als sich darüber den Kopf zu zerbrechen, ob die Erteilung von Hausverbot an einen aufmüpfigen Schüler nun einen Verwaltungsakt darstellt oder nicht. Mord oder Raubüberfälle zum Beispiel. Und so ist man natürlich gespannt, was einen so in vier Wochen Praktikum in einer Bundesbehörde erwarten wird.

Aber mich erwartete kein langweiliges Verwaltungsrecht, wie ich es aus der Universität kannte, sondern Bereiche des Rechts, mit denen ich vorher noch nie in Kontakt gekommen war. Vor meinem Praktikum an der BAW war mir nicht bewusst, wie vielseitig Verwaltung sein kann und für wie viel eine Verwaltung letztendlich tatsächlich alles zuständig ist. Ich durfte überall mal ein bisschen reinschauen. So habe ich Vergaberecht, Urheberrecht, große Kooperationsverträge, die verschiedenen Statusgruppen und deren Bedeutung im arbeitsrechtlichen Kontext, Internetimpressen und Datenschutz, das Schreiben von Vermerken, Öffentlichkeitsarbeit und sogar Steuerrechtliches im Bereich Mehrwertsteuer kennengelernt. Und das alles nur in vier Wochen.

Besonders das Vergaberecht ist etwas, was ich so in meinem Studium noch nicht kennengelernt habe. Eigentlich erscheint es logisch, dass Beschaffungen der öffentlichen Hand an mehr Bedingungen geknüpft sein müssen, als an die üblichen Bedingungen beispielsweise eines Auftrags. Anders als private Auftraggeber, können öffentliche Auftraggeber nicht einfach so Aufträge erteilen. Er kann zwar über das „ob“ und „was“ entscheiden. Aber „wie“ er es beschaffen muss, ist sehr detailliert geregelt. Und genau um dieses „wie“ geht es beim Vergaberecht. Es legt dem Staat und seinen Untergliederungen sehr viele Pflichten auf, bei denen man sich auf den ersten Blick wundert, wie diese überhaupt alle eingehalten werden sollen. Aber genau für solche Dinge gibt es ja schließlich Juristen.

Ungefähr genauso kompliziert sind mittlerweile die Datenschutzverordnungen und Telemediengesetze geworden. Um es pauschal auszudrücken: Grundsätzlich muss über alles aufgeklärt werden. Welche Daten werden warum und wie lange und wo gespeichert. Wer ist mein Ansprechpartner für folgende Probleme und was sind meine Rechte. Im Prinzip eine gute Sache, aber gleichzeitig auch wieder sehr viel, was übersehen, falsch gemacht und gerügt werden kann. Aber irgendwo hat jeder Berufszweig ja auch seine Daseinsberechtigung.

Hätte ich von Anfang an gewusst, wie vielseitig Verwaltung sein kann, hätte ich vielleicht doch die eine oder andere Verwaltungsrechtvorlesung mehr besucht. Wobei dazu gesagt werden muss, dass ich von dem universitären Stoff an der BAW nur einen Teil gebraucht habe. Viele Verwaltungen werden also nicht nur auf klassisch verwaltungsrechtliche Weise tätig, sondern kümmern sich noch um vieles mehr. Es kann also gut sein, dass man sich am Ende vermeintlich in eine ganz andere Richtung spezialisiert und am Ende dann doch in einer Verwaltung landet. Aber wie ich jetzt am eigenen Leib erfahren durfte, bietet die praktische Arbeit in der Verwaltung auch für einen Juristen viele interessante Facetten, so dass einem sicher nicht langweilig wird. Dabei ist anzumerken, dass meine spannenden Einblicke in die praktische Verwaltungstätigkeit sicher durch die intensive Betreuung meines Praktikums begünstigt wurden. Dafür möchte ich allen Beteiligten herzlich danken. Ich werde die lustigen Gespräche in der Kaffee- und Mittagspause vermissen. Und wer weiß. Vielleicht komme ich ja mal wieder.

Verfasst von Greta Lensing

Ich studiere Jura und durfte an der BAW einen Teil meines Pflichtpraktikums absolvieren.

IZW-Campus: E-Learning für die Ingenieurspraxis

Mit IZW-Campus ist am 16. September 2019 die neue E-Learning Plattform der BAW online gegangen. In diesem IZW-Dienst finden Sie zukünftig zahlreiche Lern- und Wissensangebote, die sich mit wasserbaulichen Fachthemen befassen. Die Inhalte aus den Bereichen Planung, Bau und Betrieb richten sich in erster Linie an Ingenieurinnen und Ingenieure der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV). Sie sollen längerfristig aber auch teilweise für externe Ingenieurbüros zugänglich gemacht werden.

Die Idee hinter der E-Learning-Plattform ist dabei dieselbe wie auch die von Kolloquien, Aussprachetagen oder Präsenzschulungen: IZW-Campus dient als Werkzeug für den Wissenstransfer zwischen BAW und WSV. Mit IZW-Campus werden die zahlreichen, bereits bestehenden BAW-Formate um einen weiteren, digitalen Kanal ergänzt. Neben der Bereitstellung von klassischen Skripten haben wir mit unserer Plattform auch die Möglichkeit, mit Videos, interaktiven Elementen und Foren zu arbeiten, was das Aneignen der Inhalte deutlich abwechslungsreicher macht.

Auswahl von Möglichkeiten des Wissentransfers auf IZW-Campus

Digitalisierte Wissensvermittlung hat zudem ein paar entscheidende Vorteile, wenn es darum geht, Lernen individuell zu gestalten. So sind etwa Zeitpunkt, Tempo und Repetitionen für den Nutzer frei wählbar. Auch kann das Wissen für einen großen Personenkreis orts- und zeitunabhängig zugänglich gemacht werden.

Aktuell befinden sich auf der Plattform vor allem Lernunterlagen (z. B. Skripte, Mitschnitte von Kolloquien und Seminarmappen), die zuvor an verschiedenen Stellen im IZW-Portal zu finden waren. Zusätzlich werden gerade zahlreiche weitere Inhalte speziell für IZW-Campus entwickelt, etwa in den Themenbereichen Building Information Modelling (BIM), Korrosionsschutz, PAUSS-B und Wasserstraßeninfrastrukturdaten (WInD). Die meisten dieser Angebote werden bis Ende dieses Jahres online gehen.

Anmeldeseite des neuen Dienstes

Die Entwicklung solcher Inhalte erfolgt dabei immer in Zusammenarbeit mit Fachexperten aus den BAW-Referaten und dem IZW-Team. Während die Fachexperten neben ihrer technischen und wissenschaftlichen Expertise auch ihren Erfahrungsschatz über die spezifischen Bedürfnisse und Rahmenbedingungen der WSV einbringen, kümmert sich das IZW-Team um alle didaktischen und technischen Fragen und übernimmt die Bearbeitung sämtlicher Materialien. Für die Zukunft ist geplant, auch mit Dozenten aus WSV und BMVI zusammenzuarbeiten.

Der Zugang zur Plattform erfolgt ganz einfach durch Einloggen mit der eigenen E-Mail Adresse und dem entsprechendem Passwort. Wie bereits erwähnt sind alle Inhalte für Sie als Angehörige des Wasserstraßen- und Schifffahrtsressorts frei zugänglich. Schauen Sie gerne unter izw-campus.baw.de vorbei und wenden Sie sich an unsere Kontaktadresse campus@baw.de, wenn auch Sie als Dozent gerne Inhalte auf IZW-Campus bereitstellen möchten.

Verfasst von Laura Beuter

Als Teil des IZW-Teams kümmere ich mich um alle Themen rund um E-Learning und IZW-Campus.

Iceland & ECSMGE – TC201 & red lava

Anfang September fand auf Island die European Conference on Soil Mechanics and Geotechnical Engineering (ECSMGE) statt. Das Technical Committee (TC201) “Dykes and Levees”, in dem ich (Martin Pohl) Sekretär bin, hatte einige Aktivitäten über die kurz berichtet werden soll.

Konferenzzentrum HARPA

Beginnen möchte ich jedoch mit den Reden von der Opening Ceremony. Nahezu alle Redner wiesen auf die Bedrohung durch den Klimawandel eindringlich hin. In den arktischen Regionen sind die Auswirkungen seit längerem sehr deutlich zu spüren. Betroffen sind jedoch alle Gegenden der Erde. Die Delegierten wurden daher aufgefordert dem Klimawandel entgegenzutreten „to win the battle“ … „and not to destroy the earth“.
In der letzten Session vor der Closing Ceremony wurde das Thema wieder aufgegriffen und es wurden erfolgreich praktizierte Beiträge der Geotechnik gezeigt, um Energie einzusparen, wie z.B. Energie-Pfähle, bzw. Versuche gezeigt, um CO2 im Erdreich zu speichern oder umzuwandeln.

Nun zu den Aktivitäten des TC201 auf der ECSMGE:
Durch den Klimawandel mit einem prognostizierten Anstieg des Meeresspiegels sowie bereits zu beobachtenden weltweit vorkommenden Überflutungen gewinnen Deiche und Dämme an Wichtigkeit, was man am gesteigerten Interesse in der Internationalen Community gegenüber der letzten Konferenz in Seoul 2017 deutlich merkte.

Workshop mit Vorträgen aus den Niederlanden, Frankreich und Großbritannien:
Durch den Klimawandel nehmen die Belastungen auf Deiche und Dämme zu. Bisher weniger erforschte mögliche Versagensmechanismen, die unter den geänderten Bedingungen an Relevanz gewinnen, wie z.B. Piping, werden daher aufwändig untersucht sowie Präventionsmaßnahmen / Optimierungen gesucht. Interessant ist, dass in den Niederlanden hierfür ein beträchtliches Forschungsbudget von 5 Mio € pro Jahr zur Verfügung steht. Neben großmaßstäblichen Modellversuchen werden bei den Forschungen sogar full-scale-tests ausgeführt. Weitere Modellversuche in Zentrifugen zum Prozessverständnis der inneren Erosion wurden vorgestellt und diskutiert ebenso wie die aktuellen Entwicklungen im europäischen Forschungsprojekt ICOLD/EUCOLD.

Ausschusstreffen mit Vertretern aus den Niederlanden, Frankreich, Großbritannien, Belgien, Portugal, Mexiko und Deutschland:
Um den Stand des Wissens und der Technik international abzugleichen, wurden die zukünftigen Aktivitäten des Ausschusses diskutiert. Workshops und Sessions werden daher auf der PanAmerikanischen Konferenz in Mexiko 2019 stattfinden sowie auf der ICSMGE 2021 in Australien. Des Weiteren wird es Joined-Sessions mit anderen TCs (TC106 Unsaturated Soils , TC210 Dams) auf Konferenzen geben. Webinare (Video-Vorlesungen) sollen auf der ISSMGE-homepage (www.issmge.org) veröffentlicht werden, damit jede Person mit einem Internetzugang die Informationen erlangen kann. Eine gemeinsame Veröffentlichung über mögliche Versagensmechnismen soll erarbeitet werden, um Forschungsbedarf zu ermitteln und Aktivitäten in diesem Bereich (auch unter dem Zeichen des Klimawandels) voranzutreiben. Die erheblichen und erstmalig beobachteten Auswirkungen auf Deiche und Dämme durch lang anhaltende Trockenperioden, wie in Europa 2018, wurden diskutiert.

Session mit Vorträgen aus den Niederlanden, Frankreich, Großbritannien, Belgien, Deutschland, Italien, Mexiko und den USA:
Neben ähnlichen Aspekten wie im Workshop, wurden probabilistische Verfahren sowie Vorgehensweisen für eine Risikoabschätzung diskutiert. Ein weiteres wichtiges Thema war die Bestandsaufnahme von Deichen und Dämmen sowie die Erstellung eines Katasters mit allen Einfluss- und Zustandsgrößen für eine real-time Bewertung. Dieses auf nationaler Ebene aber auch im internationalen Vergleich.

Zum Abschluss der Konferenz unternahm ich noch eine private geologische Exkursion zu Pferd. Landestypisch auf einem Islandpferd sowie bei 10°C und Nieselregen. Wir ritten auf schwarzen Lavapfaden zu einer einmaligen Stelle auf Island, wo rote Lava im Anschnitt zu sehen ist; entstanden dadurch, dass Lava vor langer Zeit aus einem Vulkan unter Wasser ausgetreten ist und mit Eisen versetzt wurde. Diese Schicht wurde anschließend durch die Plattentektonik über die Geländeoberfläche gedrückt; so die isländische Reitführerin. Für einen norddeutschen Geotechniker eine ehrfurchtsvolle Vorstellung.

Team-Day des Referats B4

Am 8. Mai hatte das Referat Infrastrukturmanagement der BAW die Chance, einen Blick in den Karlsruher Stadtbahntunnel und das innovative Bürgerbüro der Stadt zu werfen.

Karlsruher Stadtbahntunnel

Das als Kombilösung bekannte Bauvorhaben ist eines der größten Bauvorhaben, das die Stadt Karlsruhe realisiert – ein Vorhaben, von dem sowohl die Karlsruher Innenstadt durch die Fußgängerzone ohne Bahnverkehr als auch der öffentliche Personennahverkehr und Autofahrer maßgeblich profitieren werden.

Im Zuge der Kombilösung Karlsruhe entsteht durch die Verlegung der Stadtbahnen in den Untergrund vom Europaplatz bis zum Kronenplatz eine Fußgängerzone. Gleichzeitig wird der Autoverkehr in einem Teil der Kriegsstraße unterirdisch verlaufen und an der Oberfläche eine begrünte Straßenbahntrasse mit Radwegen geschaffen.

Die Karlsruher Schieneninfrastruktur-Gesellschaft mbH (KASIG), welche als Bauherr die Kombilösung plant, baut und abwickelt, rechnet beim derzeitigen Baufortschritt mit der Aufnahme des Regelbetriebs im Stadtbahntunnel Ende 2020.

Zuerst ging es für das Team an der Haltestelle Ettlinger Tor in den Tunnel hinab. Auf dem Weg nordwärts, Richtung Marktplatz und Abzweig in die Kaiserstraße, bekamen wir einen Einblick in die derzeit laufenden Arbeiten.

Blick in die Haltestelle Ettlinger Tor
Blick in den Stadtbahntunnel Kaiserstraße

Im Vergleich zu unserem letzten Besuch im April 2018 konnten wir feststellen, dass neben dem Ausbau der Haltestellen auch die Gleisbauarbeiten im vollen Gange sind.

Haltestelle Marktplatz, April 2018

Haltestelle Marktplatz, Mai 2019

Bürgerbüro Karlsruhe

Im Anschluss an die Tunnelführung ging es für das Team im Karlsruher Rathaus am Marktplatz weiter….

Rathaus Karlsruhe

Im Erdgeschoss des Rathauses hat die Stadt Karlsruhe das erste digitale Bürgerbüro Baden-Württembergs eingerichtet. Hintergrund ist das Gesetz zur Verbesserung des Onlinezugangs zu Verwaltungsleistungen (OZG), das der Bundestag und Bundesrat im Sommer 2017 beschlossen haben. Dieses Gesetz verpflichtet Bund und Länder bis 2022 ihre Verwaltungsleistungen auch elektronisch über Verwaltungsportale anzubieten. Die betroffenen Verwaltungsleistungen sind im sog. OZG-Umsetzungskatalog beschrieben, der insgesamt 575 Dienstleistungen umfasst.

Digitales Bürgerbüro Karlsruhe (Quelle: Stadt Karlsruhe)

In den ehemaligen Räumen des digitalen Bürgerbüros können die Bürgerinnen und Bürger mehrere Behördengänge virtuell und digital abwickeln: Aktivierung der Online-Ausweisfunktion, Abmelden ins Ausland, Abgabe der Wohnungsgeberbescheinigung sowie die Bestellung von Urkunden, Vereinbarung von Sperrmüllterminen, Erfragung des Punktestandes in Flensburg oder auch die Beantragung eines polizeilichen Führungszeugnisses und noch vieles mehr. Bei Schwierigkeiten mit der Station besteht die Möglichkeit direkt Kontakt zum Personal per Telefon oder sogar Video-Chat von der Station aus aufzunehmen. 

Station Behördengänge (Quelle: Stadt Karlsruhe)

Die Stadt arbeitet auch daran, den Bürgerinnen und Bürgern diesen Service bzw. solche Stationen auch außerhalb der Bürgerbüros anzubieten, denkbar seien z. B. Stadtbibliotheken oder aber auch das ECE-Center. Die Möglichkeit, „Behördengänge“ auch für das Smartphone anzubieten, bleibt nicht ausgeschlossen.

Ein weiteres Highlight im digitalen Bürgerbüro ist der TouchScreen Tisch mit einsehbarem Kartenmaterial. Damit kann man sich beispielsweise einen Überblick über die Parkhäuser, Abfahrtzeiten für den Nahverkehr, aktuelle Baustellen, Blitzer und noch vieles mehr in der Stadt verschaffen.

TouchScreen Tisch (Quelle: Stadt Karlsruhe)

Die Neukonzeption der Bürgerservices wird im Rahmen der IQ-Leitprojekte entwickelt. In den Projekten unter dem Motto „Innovativ und Quervernetzt“ steht die digitale Modernisierung der Verwaltung im Fokus. Neben der Neukonzeption der Dienstleistungen an einem Standort und der Weiterentwicklung und Modernisierung der Internetplattform möchte das IG-Leitprojekt auch das Geschäftsprozessmanagement modernisieren und schlankere Prozesse sowie digitale Workflows vorantreiben.

Wir sind gespannt, wie sich unsere Stadt auf diesem Gebiet weiterentwickeln wird und ob Sie deutscher Vorreiter für die digitale Stadtverwaltung wird. Unserer Stadt Karlsruhe wünschen wir viel Erfolg!

Autoren: Z. Duric, S. Elting, L. Romoli, D. Schenk

Interaktiver Workshop des EU-Projektes IMMERSE

An dem schwedischen Ästuar Göta Älv fand vom 12. bis 13.06.2019 das erste Transnational Exchange Lab (TEL) des EU-InterReg IVb Forschungsvorhabens IMMERSE (Implementing Measures for Sustainable Estuaries) statt.

Im Rahmen des IMMERSE-Projektes sollen Maßnahmen zur nachhaltigen Entwicklung der Nordseeästuare weiterentwickelt werden sowie der Wissens- und Erfahrungsaustausch zwischen den Nordseeanrainerstaaten gefördert werden. Als Projektpartner des IMMERSE-Projekts hat sich die Abteilung Wasserbau im Küstenbereich der BAW hier beteiligt.

Schwerpunkt in diesem ersten TEL waren die Themen Sedimentmanagement, Hochwasserschutz und Governance. Das gemischte Format aus Vortragsveranstaltung und kleineren Workshops war hervorragend geeignet, um die Fachexpertise der BAW zu den o.g. Themenfeldern einzubringen. Insbesondere die Workshops ermöglichten eine direkte Interaktion zwischen den Fachexperten anderer Nordseestaaten sowie Verwaltungsbehörden und Stakeholdern des Ästuars Göta Älv.

Nach kurzen, einleitenden Vorträgen konnten sich die Teilnehmer in kleinen Arbeitsgruppen zusammensetzen und in eine vertiefte Fachdiskussion einsteigen. Aus diesen Diskussionen wurden dann Key-Messages zusammengefasst. Ein Beispiel dazu: Zum Themenblock Hochwasserschutz hat die Expertenrunde einhellig den positiven Effekt einer multifunktionalen Nutzung von Hochwasserschutzmaßnamen hervorgehoben, die bei konsequenter Umsetzung die Akzeptanz von Hochwasserschutzanlagen verbessern würde.

Weiterhin war die Unterbringung und Behandlung von dem mit TBT (Tributylzinn) kontaminiertem Baggergut aus den Göteborger Hafenbecken und -zufahrten eines der zentralen Themen.  Die Unterhaltung der Hafenzufahrt und somit die Baggergutunterbringung ist zwar nur alle 4-5 Jahre erforderlich, jedoch strengen Umweltauflagen unterworfen.

Es wurde dabei auch herausgearbeitet, dass einige der Herausforderungen in der schwedischen Wasserstraßenunterhaltung durchaus vergleichbar zu anderen europäischen Revieren sind. So nehmen Genehmigungsprozesse durch unterschiedliche und zahlreiche Zuständigkeiten und Amtsbereiche viel Zeit in Anspruch. Aufgrund der physikalisch bedingten Komplexität und der unterschiedlichen Tidebeeinflussung unterscheidet sich das Sedimentmanagement in den Revieren jedoch erheblich. Das Elbeästuar und die Schelde sind einer viel stärkeren Tidedynamik als die Göta Älv ausgesetzt und somit morphologisch deutlich aktiver. Dadurch liegen das Unterhaltungsintervall und die Baggergutmengen in einer anderen Größenordnung als in der Götä Älv.

Solche Vergleiche zwischen den Nordseeästuaren und der Erfahrungsaustausch zum Systemverständnis wurden am zweiten Tag nun während einer Bereisung der Göta Älv in „Smalltalks“ weitergeführt. Am Ende der Fahrt ist dann auch noch die Sonne hervorgekommen und somit haben sich die Mitfahrer nach dem gelungenen TEL verabschiedet.

Das Forschungskompendium Verkehrswasserbau 2018 ist erschienen

Einen breiten Überblick über die Forschungsaktivitäten der Bundesanstalt für Wasserbau im Jahr 2018 bietet das kürzlich erschienene Forschungskompendium 2018.

Neben den wichtigsten Informationen zur Forschung an der BAW bilden die ForschungXpress-Berichte das Herzstück des Kompendiums. Übersichtlich ist hier auf jeweils zwei Seiten das Wesentliche eines Forschungsprojektes dargestellt. Für weitergehendes Interesse stehen Literaturhinweise und Ansprechpartner zur Verfügung.

Das Forschungskompendium Verkehrswasserbau umfasst mit rund 100 ForschungXpress-Berichten alle im Jahr 2018 bearbeiteten Forschungsprojekte der BAW. Damit spiegelt das Kompendium die große Vielfalt der Fragestellungen und angewandten Methoden wieder.

Wie in den Unternehmen kommen auch bei uns die Themen aus der Praxis, und die Ergebnisse dienen der Praxis, insbesondere unseren Beratungs- und Unterstützungsleistungen für die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV) und für das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) in allen verkehrswasserbaulichen Fragestellungen an den Bundeswasserstraßen.

Prof. Dr.-Ing. Christoph Heinzelmann, Leiter der BAW

Einige Beispiele aus dem Forschungskompendium Verkehrswasserbau 2018 verdeutlichen die Praxisnähe und große Bandbreite unserer Forschungsthemen:

Laborversuche zur Bemessung von Wasserbauwerken

Laboruntersuchungen zur Querkrafttragfähigkeit von Stahlbetonbauteilen unterstützen im Bereich Bautechnik die Entwicklung neuer Bemessungsmodelle. Diese berücksichtigen auch wasserbauliche Besonderheiten wie die flächenhafte Beanspruchung und das statische System, welche im Allgemeinen einen günstigen Einfluss auf die Querkrafttragfähigkeit haben.

Modellversuche für die Optimierung von Fischaufstiegsanlagen

Fischaufstiegsanlagen sind eine wichtige Maßnahme zur Erreichung der ökologischen Durchgängigkeit von Fließgewässern. Für die Weiterentwicklung der Anlagenplanung werden an der BAW im Bereich Wasserbau in Kooperation mit der BfG ethohydraulische Versuche durchgeführt. Im Vordergrund steht dabei die Verbesserung der Auffindbarkeit und der Passierbarkeit von Fischaufstiegsanlagen.

Naturversuch mit biologisch abbaubaren Geotextilien

Im Bereich Geotechnik werden in einem Forschungsprojekt biologisch abbaubare Geotextilvliese auf ihre technischen Eigenschaften und Durchwurzelbarkeit geprüft. Darüber hinaus ist ein Naturversuch am Rhein in Vorbereitung, um unter realen Bedingungen den Einsatz der neu entwickelten Geotextilien zu erproben. Sie sollen als temporäre Filter für die technisch-biologischen Ufersicherungen an Binnenwasserstraßen angewendet werden.

Numerische Modelle für Prognosen im maritimen Wasserbau

Numerische Modelle sind wichtige Instrumente für alle Abteilungen der BAW. Im Bereich maritimer Wasserbau finden sie unter anderem Anwendung bei der Berechnung von Sedimentfrachten und Strömungsgeschwindigkeiten oder bei der Prognose schwerer Sturmfluten, auch im Hinblick auf die Anpassung an mögliche Klimaveränderungen.

Das Forschungskompendium Verkehrswasserbau 2018 steht zum kostenlosen Download bereit unter: https://henry.baw.de/handle/20.500.11970/106402

Verfasst von Cindy Giersch

Forschungsreferentin der BAW

Rückblick auf die EGU2019

Österreich, Wien, 08.-12.04.2019

Wien, Heimat von Mozart, Hundertwasser, dem Wiener Schnitzel, Manner und für eine Woche Pilgerstätte für 16.273 Wissenschaftler*innen aus 113 verschiedenen Ländern zur jährlichen European Geosciences Union „EGU“ General Assembly. Seit 17 Jahren ist es das Ziel der EGU, einen interdisziplinären wissenschaftlichen Austausch für Forscher*innen zu bieten, die in unterschiedlichsten Geowissenschaftlichen und verwandten Fachgebieten arbeiten.

Weg zum Austria Center Vienna am Mittwoch bei Regen

Dieses Jahr wurde dieses Angebot vom 08. bis 12. April im Austria Center Vienna (ACV) durch insgesamt 5.531 Vorträge, 9.432 Poster und 1.287 PICO (Presenting Interactive Content) Präsentationen umgesetzt. Darunter waren 3 Poster und 1 Vortrag der Bundesanstalt für Wasserbau – Abteilung Küste.

Für uns, von 53°33’N – 10° 0′ E, begann die EGU2019 am Mittwoch, 10. April 2019, mit dem Poster zum Thema „Classifying the impact of natural bathymetry changes on hydrodynamics in the German Bight between 1996 and 2015 (North Sea)” in der “Open Session on coastal and shelf seas (OS2.1)”. Robert Hagen stellte eine Fallstudie aus dem Projekt “EasyGSH-DB” vor, welche den Einfluss der Bathymetrie auf die Hydrodynamik untersucht. In der rund zweistündigen Session wurden eine Menge Fragen beantwortet.

Eingangshalle mit Messeständen im Hauptgebäude des ACV.

Weiter ging es, am Donnerstag zur frühsten Stunde, mit der Session „Informatics in Oceanography and Ocean Science (ESSI1.1)“, wo es unter anderem um Metadaten und Datenbereitstellung ging. Das Poster mit dem Titel „Providing metadata and visualization for 20 years of hydrodynamic model data for the German Bight” wurde von uns dort vorgestellt. Der Schwerpunkt lag dabei auf dem Umgang mit und der Veröffentlichung von großen Datenmengen.

Der Höhepunkt für alle anwesenden Hamburger war die „Tides (OS4.2)“ Session, die dieses Jahr zum ersten Mal stattfand.  Für die Küsteningenieur*innen der BAW bildete dies den fachlichen Abschluss der Konferenz. 

Vortrag vom BMVI Expertennetzwerk in der Tide Session

Caroline Rasquin, Mitglied des Expertennetzwerkes, nutzte die Veranstaltung, um vor über 100 Zuhörern über “The significance of coastal bathymetry representation for the simulation of tidal dynamics in the German Bight with sea level rise” zu referieren. Ihr Vortrag wurde mit großem Interesse verfolgt und positiv von den Zuschauern aufgenommen.


Poster 3 – „Adapting the spatial tidal characteristic analysis to a numerical model of the German Bight“

In der dazugehörigen Poster-Session am Freitagmorgen wurde das letzte Poster mit dem Thema „Adapting the spatial tidal characteristic analysis to a numerical model of the German Bight“ vorgestellt.  Hier wurde die Anwendung einer flächenhaften Analyse für große Gebiete wie der Deutschen Bucht und die daraus resultierenden Möglichkeiten erläutert.

Im Nachwort möchten wir Mattias Green und seinem Team für die Organisation der ersten, zweijährig stattfinden „Tides“ Session danken und freuen uns auf eine Fortführung auf der EGU 2021 in Wien.

Die Teilnahme an der EGU2019 war für uns ein voller Erfolg, mit einem umfangreichen Austausch auf nationaler und internationaler Ebene. Die heimlichen Blicke beider Gesprächsseiten auf die Namensschilder, erlaubten es, Namen Gesichter zuzuordnen und die Beziehungen wieder ein Stück enger zu binden.

In diesem Sinne muss gesagt werden, dass die EGU trotz der inzwischen stolzen Menge an Besuchern es weiterhin schafft, eine Plattform des Austausches zu erzeugen. Neben dem reinen wissenschaftlichen Teil werden auch politikwissenschaftliche Themen angesprochen, um Themen ins Interesse der Besucher zu rücken, welche für die wissenschaftliche Gesellschaft von Bedeutung sind. Dabei behält die EGU ihren unpolitischen Charakter.

Servus EGU2019 und Österreich

HENRY knackt die 6.000er Marke

Das offene Fachrepositorium für den Wasserbau wächst stetig und konnte in den vergangenen Monaten einen Zuwachs von über 1.000 Dokumenten verzeichnen. Diese hohe Zahl begründet sich hauptsächlich auf drei umfangreiche Sammlungen, die neu in HENRY aufgenommen wurden.

Schriften der Forschungsanstalt für Schifffahrt, Wasser- und Grundbau (FAS)
Rund 400 Dokumente der FAS, die den Bibliotheken bisher nur als gedruckte Version vorlagen, sind nun erstmals digital verfügbar. Die Dateien wurden vom IZW-Team aufwendig  zusammengetragen, digitalisiert und mit Metadaten versehen.

Die FAS war die „Schwester“ der BAW und ist ebenfalls aus der Königlichen bzw. Preußischen Versuchsanstalt für Wasserbau, Schiffbau und Erdbau hervorgegangen. Sie wurde nach dem Zweiten Weltkrieg gegründet und hat die wissenschaftlich-technischen Grundlagen für Betrieb und Unterhaltung der Wasserstraßen und Schifffahrt in der DDR bearbeitet. Mit der deutschen Wiedervereinigung stellte die FAS ihre Tätigkeit 1990 ein und wurde in die Bundesanstalt für Wasserbau integriert.

Wir freuen uns, dass die wertvollen Informationen aus über 40 Jahren Forschungsarbeit der FAS der Öffentlichkeit ab sofort frei zugänglich und dauerhaft zur Verfügung gestellt werden können.

 

Poster
Seit Kurzem finden sich auch Poster zu verschiedenen fachlichen Themen in HENRY. Sie wurden hauptsächlich für Fachkonferenzen und Kolloquien erstellt und enthalten fachlich relevante Forschungsdaten und Diagramme.

 

Uni Schriften
Die BAW hat sich in jüngster Vergangenheit mit mehreren Universitäten vernetzt, die ihre Institutsmitteilungen und Fachartikel ebenfalls in HENRY veröffentlichen. Somit steht der Öffentlichkeit ein immer breiteres Spektrum an Fachartikeln rund um das Thema Wasserbau zur Verfügung. Neu dabei sind die Ruhr-Uni Bochum, die TU Braunschweig und das Institut für  Geotechnik der TU Dresden.

https://henry.baw.de/

BAW besucht die Baustelle am Hauptbahnhof beim Projekt Stuttgart 21

Für das Referat Grundbau der BAW ergab sich am 8. Februar die Möglichkeit, bei bestem Wetter den Umbau des Stuttgarter Hauptbahnhofs vom Kopfbahnhof zum Durchgangsbahnhof als Teilprojekt der Baumaßnahme „Stuttgart 21“ zu besichtigen.

Blick vom Turm auf die Baustelle

Zur Einstimmung wurde ein Blick von ganz oben auf die Baustelle geworfen, bevor es dann in die Tiefe ging. Die Aussichtsplattform auf dem Bahnhofsturm ist zusammen mit der Ausstellung des Turmforums kostenlos zugänglich und bietet eine sehr gute Übersicht über die Baustelle mit den einzelnen Bauabschnitten des zukünftigen Tiefbahnhofs.

Besuchergruppe der BAW

Auf der Baustelle  vermittelte Herr Hammerschmidt von der Firma Züblin, die den neuen Bahnhof baut, zunächst eine Vorstellung vom Gesamtprojekt. Ergänzt wurden die Ausführungen von Herrn Dipl.-Ing. Holger Jud vom Ingenierbüro Smoltczyk & Partner und dem ehemaligen Kollegen Prof. Benz von der Firma Wechselwirkung um die geotechnischen Aspekte. Nachdem die PSA angelegt war, ging es dann in medias res und es konnten zusammen die Arbeiten des Spezialtiefbaus besichtigt werden.

Aufständerung der ehemaligen Bahndirektion

Auch wenn bei jedem einzelnen Bauabschnitt viele technische Herausforderungen zu meistern waren bzw. sind, bildet die Aufständerung der unter Denkmalschutz stehenden ehemaligen Bahnhofsdirektion ein absolutes Highlight. Hier muss das Gebäude auf verschiedenen Tiefgründungen, Kleinverpresspfählen und anschließend Großbohrpfählen nacheinander temporär gesichert werden, bevor es dann abschließend auf dem Deckel des Bahnhofs zu liegen kommt.

Architektonisch und aus Sicht eines Betonbauers ist sicherlich die erste betonierte Kelchstütze (Titelbild) der Höhepunkt der Exkursion. Die Bewehrung besteht aus 11.000 einzelnen Positionen und die Anforderungen an die Schalung und den vom Architekten geforderten Weißbeton sind enorm und können nur mit BIM-Methoden bewältigt werden.

Nesenbachdüker

Der Geotechniker jedoch interessiert sich eher für die Tiefe, weshalb zum Abschluss noch der Abstieg in den schon fertiggestellten Nesenbachdüker erfolgte. Dieser soll bei Starkregenereignissen dafür sorgen, dass das Regenwasser aus der Mischwasserkanalisation Stuttgarts ungehindert in Richtung Neckar fließen kann. Damit war der tiefste begehbare Punkt der Baustelle erreicht und es galt mit vielen Informationen, die bei den Baumaßnahmen der WSV am Neckar aufgrund ähnlicher Geologie hilfreich sein werden, den Heimweg anzutreten.