BAWKolloquium 2024 – Projekte und Entwicklungen für aktuelle Fragestellungen im Küstenwasserbau

Großes Zusammentreffen der Küsten-Community in Hamburg! Die BAW lud am 04.06.2024 zum Kolloquium in der katholischen Akademie ein und es kamen mehr als 100 Interessierte aus Forschung, Praxis und Verwaltung. Die schon aus vergangenen Kolloquien bewährte Location bot einen idealen Rahmen für Vorträge von BAW- und externen Fachleuten sowie für lebhafte Diskussionen in den Pausen.

Die Themen konzentrierten sich insbesondere auf:

  • Anpassungsmaßnahmen an Ästuaren mit Fokus auf Klimawandelfolgen
  • Flexibles und nachhaltiges Sedimentmanagement
  • Überprüfung der Befahrbarkeit der Flüssigschlickschicht

Erstmals gab es die Möglichkeit, handschriftlich oder online per Slido-Umfrage, Anregungen zu geben, mit welchen Themen sich die BAW in Zukunft vermehrt auseinandersetzen soll. Am Ende der Veranstaltung wurden die Rückmeldungen in einer Podiumsdiskussion weiter bewertet. Unter Moderation von Abteilungsleiter Holger Rahlf beteiligten sich hochrangige Vertreter der WSV, GDWS, BMDV sowie der Präsident der BAW Prof. Dr.-Ing. Dr.-Ing. E.h. Christoph Heinzelmann. Dabei wurde die BAW als „fachkundiger Sparringspartner“ für die WSV hervorgehoben. Zukünftige Themenfelder wie optimiertes Sedimentmanagement, Klimawandel, KI-Einsatz im Prognosebereich und automatisierte Schiffsführung wurden angeregt.

Die Vorträge können in Kürze online unter folgender Adresse eingesehen werden:

https://www.baw.de/de/publikationen/tagungsbaende/tagungsbaende.html

Wir danken allen Mitwirkenden für die interessanten Vorträge, die anregenden Diskussionen und die hervorragende Organisation!

Was verbindet Kreativität und Forschung?

Deutscher Pavillon, 60th International Art Exhibition – La Biennale di Venezia
Michael Akstaller
Foto: Nick Ash

Michael Akstaller ist Künstler und Wissenschaftler. Er hat in der BAW und BfG geforscht und ist nun als einer von sechs Künstlern im deutschen Pavillon der Biennale Venedig vertreten.

Im Gespräch mit der BAW erzählt er von der Faszination des Experimentierens – in der Wissenschaft sowie in der Kunst: „Die Arbeit in der BAW und die Kollegen haben mich immer wieder ermuntert, Dinge auszuprobieren.“

Akstaller untersuchte im Rahmen von diversen Forschungsarbeiten Sedimentbewegungen in Flüssen und die Einflüsse von menschgemachtem Unterwasserschall auf das Wanderverhalten von Fischen. In seiner künstlerischen Arbeit beschäftigt er sich mit Beziehungen zwischen Klang und Raum, Bewegung und Performance.

Thresholds
Für den deutschen Beitrag zur 60. Internationalen Kunstausstellung – La Biennale di
Venezia hat die Kuratorin Çağla Ilk die Künstler*innen Michael Akstaller, Yael
Bartana, Robert Lippok, Ersan Mondtag, Nicole L’Huillier und Jan St. Werner
eingeladen, unter dem Titel Thresholds den Umgang mit Schwellen, Stufen und Grenzen
zu suchen.
 
Erstmals bewegt sich die Ausstellung des Deutschen über die Grenzen des Pavillongebäudes in den Giardini della Biennale hinaus auf die benachbarte Insel La Certosa. Dort haben vier Künstler ihre Installationen aufgebaut – unter anderem Michael Akstaller.  Seine Installation „Scattered by the trees (Von den Bäumen verstreut)“ befasst sich mit der akustischen Eigenheit von Wäldern und Baumgruppen. Auf einer Lichtung hat er zwei Cones installiert, die Signale in Richtung der umstehenden Bäume senden, um die Weiterleitungseffekte wahrnehmbar zu machen. Bäume leiten die Frequenzen der Tiere weiter, obwohl sie keine eigenen Rezeptoren haben. Das macht sich die Klang-Installation zum Thema.

Weitere Informationen zum Deutschen Pavillon und den ausstellenden Künstlern gibt’s hier: https://deutscher-pavillon.org/de

Interview

BAW: Welche Geräusche hörst du gerade?
Michael Akstaller: Tatsächlich hat vor einiger Zeit eine Baumaßnahme neben meinem Atelier begonnen. Ich höre bzw. fühle gerade Schwingungen von einer Verdichtungswalze. Die Fenster sind zu;  es ist ansonsten also recht ruhig hier.

BAW: Wie kam es zu der Idee Klang-Installationen zu machen und was hat die Wissenschaft damit zu tun?
Michael Akstaller: Ich glaube es ist dabei wie mit so vielem im Leben, die Dinge führen von Einem ins Nächste. Ich bin von meinem Studium an der Kunstakademie in das Thema Klang eingetaucht und seitdem untersuche ich sämtliche Facetten von Sound. Meine Arbeiten sind dabei meistens sehr ortsspezifisch. Die Form innerhalb der Ausstellung ergibt sich eigentlich immer relativ zum Schluss, wenn ich das Thema gefunden habe, wenn ich die Umgebung zu verstehen beginne. Natürlich fasse ich Pläne und formuliere meine Vorstellungen, aber bis jetzt gab es bei all meinen Arbeiten eine Veränderung später im Prozess, die das Ergebnis maßgeblich geprägt hat. Diese Freiheit oder Flexibilität innerhalb der Suche kenne ich bis jetzt eigentlich nur aus dem wissenschaftlichen Arbeiten. Genauer, eigentlich aus den Labor- und Feldversuchen, die ich bisher begleiten durfte. Darin war eben nicht das Ziel ein Endprodukt zu schaffen, sondern Systeme zu verstehen und ein Prozessverständnis zu erlangen mit dem man – ganz klar – auch ein Ergebnis beeinflussen kann. Ich glaube es ist wie die Frage, ob am Schluss etwas auf dem Tisch liegen soll, was man bestellt hat, einen dabei aber wenig überrascht, oder ob man sich auf Experimente einlässt.

BAW: Die Überwindung von den Schwellen ist ja nicht nur Thema der Biennale sondern zeigt sich bestimmt auch zwischen Kunst und Wissenschaft. Wie forschend ist Kunst und wie kreativ ist Forschung?
Michael Akstaller: Ich glaube, dass künstlerische Arbeit erst anfängt relevant zu werden, wenn sie forschend ist. Und das meine ich nicht zwangsweise im naturwissenschaftlichen Sinne, aber auch. Künstler*innen der letzten Jahrhunderte waren immer getrieben durch Neugierde, optische, akustische, sozialwissenschaftliche Forschung, etc. Nehmen wir mal als Beispiel die Stilrichtung des Pointillismus. Aus heutiger Perspektive sind die aus einzelnen Farbpunkten zusammengesetzten Bilder vielleicht nichts mehr Besonderes, oder einfach „nur“ schön. Aus technologischem Blick heraus, könnte man die Werke als frühe Studie zu Monitoren sehen, deren Funktionsweise heute in jedem Smartphone oder als Sensor in jeder Kamera steckt. Fragen zu Auflösung, visueller Farbmischung, Entfernung von Betrachtern zum Bildträger, Bildkörnung, bis hin zu optischem Rauschen stecken alle in diesen Bildern. Die Künstler*innen von damals konnten mit diesen einzelnen Pixeln ganze Welten erschaffen, weil sie forschten, wie viele und welche Farbpunkte man brauchte um in der menschlichen Wahrnehmung ein Bild zu konstruieren. Das wird jetzt wieder relevant, wenn wir uns von anderen Systemen Bilder erschaffen lassen wollen. Eine AI muss das auch erstmal lernen.

Wir sollten die Kunst davon befreien, nur auf ihre Schönheit reduziert zu werden. Sie verzahnt sich viel intensiver in den wissenschaftlichen Diskurs als im allgemeinen angenommen. Meistens fehlt es an gemeinsamen Sprachen, um die Informationen gegenseitig teilen zu können. Kommunikation ist letztendlich eine der Grundvoraussetzungen für Interdisziplinarität. Diese Notwendigkeit fällt mir in meinen Arbeiten auch immer wieder auf. Da ich das Vergnügen hatte, neben der bildenden Kunst auch ein ingenieurwissenschaftliches Studium zu absolvieren, kann ich hier Brücken schlagen. Ich bemühe mich auch immer zu übersetzen. Die spannendsten Gespräche über Kunst habe ich mit Naturwissenschaftler*innen, aber das nur so am Rande. Wie forschend die Kunst ist, gilt glaube ich im Umkehrschluss genauso für die Kreativität in der Forschung. In meiner Zeit an der BAW war ich fasziniert vom kreativen Potential der gemeinsamen Arbeit an den physikalischen Flussmodellen. Sehr beeindruckt bin ich nach wie vor von der direkten Wirksamkeit von Einbauten. Ein Ziegelstein ins Modell gelegt, verändert ein komplettes System binnen Sekunden. Wir konnten damals beobachten, dass dieser Ziegelstein die Orientierung eines ganzen Wirbelsystems umgedreht hatte, was letztendlich unsere Probleme mit dem Sedimenteintrag in eine Kanalmündung verhindert hatte. Nimmt man den Stein wieder raus, dreht sich der Wirbel wieder zurück. Dieses Experimentieren ist Kreativität, nichts anderes machen Künstler auf der Leinwand.

BAW: Was sind deine Ziele als Künstler und wohin geht die Reise als Wissenschaftler?
Michael Akstaller: Ich versuche nächstes Jahr ein größeres Projekt zu starten, in dem ich in Fließgewässern akustische Phänomene untersuchen kann. Insbesondere die Klangausbreitung in Wechselwirkung mit Gewässerströmungen interessiert mich. Die Schallausbreitung unter Wasser wird maßgeblich über die Sohle, die Sohlform und die Wassertiefe bestimmt. In Meeren mit sehr viel größeren Wassertiefen gibt es dafür einige Untersuchungen, an Flüssen eher weniger, obwohl meistens die morphologischen Parameter bekannt sind. Es fehlen lediglich ein paar akustische Messungen und man könnte Korrelationen untersuchen. Ich halte gerade Ausschau nach Partnerinstitutionen, die mich eventuell mit Messtechnik unterstützen könnten. Es bleibt also spannend.

Vielen Dank, dass du dir Zeit für ein Gespräch genommen hast!

Alter Lachs!

Die Wanderschuhe versinken tief im weichen, moosigen und ab und zu matschigen Boden, rechts und links kilometerweit Nadelbäume, Birken und vor allem viel Totholz. Nichts ist zu hören außer Vogelgezwitscher und dem Rauschen eines Flusses in der Ferne. Natur pur in der kanadischen Wildnis der Provinz Québec. Hier scheinen die Bedingungen für den in Europa als gefährdet geltenden Lachs noch perfekt – aber nur auf den ersten Blick.

Welchen Problemen zum Schutz dieser Wanderfische, anderer Fischarten und aquatischer Ökosysteme wie entgegengewirkt werden kann, wurde unter dem Motto „Connectivity and processes across the riverscape“ auf dem 15th International Symposium on Ecohydraulics and Fish Passage diskutiert. Erstmals fanden beide Konferenzen zeitgleich und gemeinsam statt. Vom 06. bis 09. Mai trafen sich dazu Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Personen aus der internationalen Fachwelt in der gleichnamigen Hauptstadt der Provinz Québec. Québec liegt direkt am Sankt-Lorenz-Strom und bedeutet auf Algonquin passend „where the river narrows“, denn schon wenige Kilometer östlich von Québec kommt Küstenfeeling auf. Aber nicht nur die Lage macht die Stadt zu etwas Besonderem, auch die historische Altstadt ist eine der ältesten Nordamerikas.

Nächtlicher Spaziergang durch die Altstadt von Quèbec mit Blick auf das Château Frontenac.
Gruppenfoto mit Kolleginnen und Kollegen der Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG), welche ebenfalls mit Vorträgen auf der Konferenz vertreten war.

In insgesamt 41 Sessions wurden jedoch weitaus mehr Aspekte beleuchtet und es wurde schnell klar, dass man in Nordamerika teilweise mit ganz anderen Problemen zu kämpfen hat als in Europa. Während wir in Europa Wert darauf legen, dass alle Fischarten gleichermaßen Fischaufstiegsanlagen überwinden können, liegt der Fokus in Nordamerika stark auf anadromen Fischarten – wie z.B. dem Lachs. Dabei sind die Randbedingungen für Planung und Bau von Anlagen nicht weniger herausfordernder als in Europa. Eine Präsentation handelte eindrucksvoll davon, dass meterhohe Eismassen, welche im Winter über den Fluss in den Nordatlantik transportiert werden, es nahezu unmöglich machen, eine Fischaufstiegsanlage zu bauen, die nicht durch die Eismassen zerstört wird. Hinzu kommt, dass witterungsbedingt nur drei Monate im Jahr gebaut werden kann und Beton aus logistischen Gründen nicht zur Verfügung steht. Die einzige Lösung ist daher aus den größten vor Ort befindlichen Steinen einen naturnahen Fischaufstieg zu bauen. Im Rahmen eines anderen Vortrages wurde dargelegt, mit welchen logistischen Problemen man beim Bau an abgelegenen Orten konfrontiert wird. So mussten Bagger beispielsweise in Einzelteilen zerlegt per Hubschrauber zur Baustelle geflogen werden, da keine Straße dorthin führte. Gleiches galt für sämtliches Baumaterial sowie Ausrüstung und Personen. Vor Ort war keine Fläche zum Abstellen vorhanden, sodass eine Plattform über den Fluss gebaut werden musste, welche jedoch bei hohen Abflüssen immer wieder zerstört wurde. Handyempfang oder gar Internet waren natürlich auch nicht vorhanden, was die Kommunikation und das Ausarbeiten von Notfallplänen deutlich erschwerte. Für uns in Europa fast unvorstellbare Szenarien.

Linus und ich nutzten auch die Gelegenheit, im Rahmen einer Exkursion mehr über das Leben der indigenen Bevölkerungsgruppe der Huronen zu lernen. Dieses Volk wurde einst aus seiner ursprünglichen Heimat am Huronsee vertrieben und hat sich deshalb in Québec niedergelassen. Ein Museum bot die Möglichkeit, mehr über die ursprünglichen Lebensweisen und Traditionen zu erfahren. Im Anschluss erfolgte im strömenden Regen die Besichtigung einer Aalleiter – ein Projekt, welches in Zusammenarbeit mit der Huron-Wendat Nation erfolgt, um den Aal auf dem dortigen Gebiet wieder anzusiedeln.

Die Reise nach Kanada bot uns nicht nur die Möglichkeit, unsere Forschungsergebnisse international zu präsentieren, unseren fachlichen Horizont zu erweitern und unser Netzwerk auszubauen, sondern auch die Chance, abseits der Konferenz Kanada zu erkunden. Linus zog es in die kanadische Hauptstadt und die umliegende Seenlandschaft zum Angeln und Wandern. Ich durchstreifte die Nationalparks rund um Québec auf der Suche nach unbekannter Flora und Fauna. So bekamen wir zwar Bieber, Otter, Elche, Stachelschweine und sogar einen kleinen Schwarzbären zu sehen, ein Blick auf den so bedeutsamen Lachs blieb uns jedoch verwehrt – dieser verbringt seinen Sommer im Atlantik und kommt erst im Herbst wieder in die kanadischen Flüsse zurück. Hoffentlich beim nächsten Mal….

Brücken bauen: Studierende treffen auf die Bundesanstalt für Wasserbau im TUHH Career Forum 2024

Die Gewinnung von Fachkräften im Ingenieurwesen ist von entscheidender Bedeutung für die Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit der Bundesanstalt für Wasserbau (BAW). Bei uns sind Ingenieure maßgeblich daran beteiligt, neueste Technologien für die Praxis zu entwickeln, Produkte und Prozesse zu optimieren und so den Erfolg und die Nachhaltigkeit im Verkehrswasserbau laufend zu optimieren. Daher ist es unerlässlich, dass auch die BAW bereits bei Studierenden gezielt in die Gewinnung und Bindung von hochqualifizierten Ingenieuren investiert. So sichern wir unsere Zukunftsfähigkeit und bündeln weitere Kompetenz zum Thema Wasserstraße.

Aus dieser Motivation entstand die Gelegenheit sich als BAW am 15.05.2024 beim Career Forum der Technischen Universität Hamburg (TUHH) zu präsentieren und direkt mit Studierenden den Austausch zu suchen. Die Teilnahme an dieser Veranstaltung bot uns nicht nur die Möglichkeit, uns als potenzielle Arbeitgeberin vorzustellen, sondern ermöglichte auch interessante Ge-spräche mit zukünftigen Ingenieuren und Ingenieurinnen, um sich als Arbeitgeberin weiterzuentwickeln und den Anforderungen der Arbeitnehmenden von morgen entgegenzukommen.


Am Stand der BAW konnten Studierende mehr über die vielfältigen Aufgaben und Projekte aus nahezu allen Ingenieurdisziplinen erfahren. Dabei standen fünf Mitarbeitende bereit, um Fragen zu beantworten und Einblicke in die Arbeit der BAW zu geben. Zudem wurde in separaten 1 zu 1 Gesprächen der gegenseitige Austausch gesucht und die Karrieremöglichkeiten an der BAW skizziert.
Besonders positiv hervorzuheben waren die Offenheit und Neugierde der Studierenden, die mit großem Interesse auf uns zukamen. Viele zeigten sich überrascht von den vielseitigen Einsatzgebieten im Wasserbau und stellten interessierte Fragen zu den Karrieremöglichkeiten in der BAW. Gleichzeitig bestätigt sich, dass zukünftig Beschäftigten die Flexibilität am Arbeitsplatz, ein an-genehmes Betriebsklima und Wertschätzung für die eigene Arbeit wichtig sind.
Die Gespräche mit den Studierenden verliefen durchweg positiv und konstruktiv. Viele zeigten sich begeistert von den vielfältigen Möglichkeiten, die die BAW anbietet. Auch das Feedback als potenzielle Arbeitgeberin war überaus positiv, sodass viele Studierende sich vorstellen konnten, in Zukunft bei der BAW tätig zu werden.
Insgesamt war die Teilnahme der Bundesanstalt für Wasserbau am TUHH Career Forum ein großer Erfolg. Unsere positiven Gespräche mit den Studierenden haben gezeigt, dass das Interesse an einer Karriere im und um den Fachbereich Wasserbau ungebrochen ist. Die BAW konnte durch die Veranstaltung nicht nur ihr Netzwerk erweitern, sondern auch potenzielle Talente für sich begeistern.

KIT-Karrieremesse – Job-Open-Air

Mitten auf dem Campus Süd des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) war die BAW dieses Jahr wieder Teil der dortigen Karrieremesse.

In unserem Pagodenzelt war einiges geboten: passend zum Festivalcharakter der Veranstaltung war das gemeinsame Spielen der Einstieg für fachlichen Austausch und tolle Gespräche und der Spaß kam auch nicht zu kurz. Informationen zum Berufsalltag in der BAW und Eindrücke aus verschiedenen Tätigkeitsbereichen von unseren Kolleginnen und Kollegen fanden die Interessierten an unserem Stand besonders spannend.

Am Ende der Veranstaltung wurde der Gewinn unserer Verlosung gezogen: wir freuen uns schon auf den gemeinsamen Ausflug Anfang Juni!

Vielen Dank an alle Neugierigen für ihr Interesse an der BAW als Arbeitgeberin, Beraterin und Forschungseinrichtung!

Arbeiten in der BAW hat viele Facetten:
Digitales Bauen,
Digitalisierung der Binnenschifffahrt,
Beratung zu Erhaltung oder Ersatz der alternden Infrastruktur,
Forschung zum Einfluss des Klimawandels auf Seeschifffahrtstraßen,
Geotechnische Erkundungen,
Numerische Simulationen, Software- und Verfahrensentwicklungen,
… um nur einige davon zu nennen.

Schauen Sie sich hier gerne an, welche Vorteile das Arbeiten bei der BAW mit sich bringt.

Grundsätzlich bieten wir insbesondere Stellen für Absolvierende folgender Studiengänge an:

  • Bauingenieurwesen
  • Umweltingenieurwesen
  • Geowissenschaften
  • Geowissenschaften
  • Informatik

Weitere Details finden Sie unter www.baw.de unter der Rubrik ‚Karriere‘ oder auf Anfrage per E-Mail an personalgewinnung@baw.de.

Für Fragen stehen Anja Helfrich +49 (721) 9726-2775 / anja.helfrich@baw.de
und Daniela Ruprecht +49 (721) 9726-4150 / daniela.ruprecht@baw.de
als persönliche Ansprechpartnerinnen gerne zur Verfügung.

Wir freuen uns auf Ihre Bewerbungen!

#DurchblickimJobDschungel #wiefindeichdenrichtigenjob #berufsorientierung #Karrieremesse #jobopenair

EMAS: Ein Weg für nachhaltiges Umweltmanagement in der BAW

Seit Jahresbeginn 2024 hat die BAW angefangen EMAS, das Umweltmanagementsystem der EU, einzuführen. EMAS, das Eco-Management and Audit Scheme, ist ein freiwilliges Instrument der Europäischen Union, das Organisationen dabei unterstützt, ihre Umweltleistung kontinuierlich zu verbessern. Durch die Einführung von EMAS verpflichtet sich die BAW, über gesetzliche Anforderungen hinaus Umweltschutzmaßnahmen zu implementieren und regelmäßig über Ihre Umweltleistung zu berichten.

Blick auf den Standort Karlsruhe, Kußmaulstraße 17, und die Photovoltaikanlage auf Halle 5
Blick auf die Photovoltaikanlage auf Halle 5 am Standort Karlsruhe, Kußmaulstraße 17

Warum EMAS?

Mit der Einführung von EMAS unterstreicht die BAW die Vorbildfunktion der öffentlichen Hand und steuert Ihren Beitrag zur Erfüllung des Bundes-Klimaschutzgesetzes und zum Maßnahmenprogramm Nachhaltigkeit bei. Zur Verbesserung der Umweltleistung bietet sich EMAS an, da in einem etablierten Rahmen Maßnahmen verwirklicht und ihre Wirkung beurteilt werden können. Außerdem verbessert EMAS die Transparenz der BAW und bietet Interessierten einen spannenden Einblick in die Anstrengungen im Bereich Klima- und Umweltschutz.

Die Phasen von EMAS bei der Einführung

Geplant ist die Einführung von EMAS im Laufe des Jahres 2024. Dabei erfolgt die Implementierung von EMAS in mehreren Phasen:

  1. Die Umweltprüfung: In dieser ersten Phase wird der Ist-Zustand der Umweltauswirkungen der BAW erfasst.
  2. Das Umweltprogramm: Auf Basis der Umweltprüfung erstellt die BAW Ziele und Maßnahmen, um Ihre Umweltleistung zu verbessern.
  3. Das Umweltmanagementsystem: In dieser Phase wird ein System zur Steuerung und Kontrolle der Umweltmaßnahmen entwickelt und etabliert.
  4. Die Umweltbetriebsprüfung: Hier wird eine interne Überprüfung der Wirksamkeit des Umweltmanagementsystems durchgeführt.
  5. Die Umwelterklärung: Durch die Veröffentlichung der Erklärung berichtet die BAW über ihre Umweltleistung.
  6. Die Validierung: Die BAW unterzieht sich einer externen, unabhängigen Überprüfung und Bestätigung der Umwelterklärung.

Im Moment befindet sich die BAW noch in der Umweltprüfung, die Ende Mai abgeschlossen wird. Simultan werden hierbei die Umweltaspekte der einzelnen Abteilungen und die bindenden Verpflichtungen im Umweltbereich, die aus den vielfältigen Aufgaben entstehen, erfasst. Durch eine Bewertung der Umweltaspekte können dann die relevanten Tätigkeiten identifiziert werden, die eine große Hebelwirkung zur Optimierung bieten. Das Umweltprogramm umfasst anschließend Maßnahmen, die zur Zielerreichung beitragen. Ebenfalls dieses Jahr werden erste Maßnahmen umgesetzt, die zu einer Verbesserung der Umweltleistung beitragen werden.

Mit der Veröffentlichung der Umwelterklärung und der internen und externen Überprüfung gegen Ende des Jahres weist die BAW ihre Anstrengungen nach. Ab nächsten Jahr wird dann innerhalb von EMAS ein jährlicher Plan-Do-Check-Act- (PDCA-) Zyklus durchlaufen, der zu einer kontinuierlichen Verbesserung der Anstrengungen im Umweltbereich beiträgt.

Veröffentlichung der Umweltleitlinien

Heute wurden die Umweltleitlinien der BAW veröffentlicht. Die Leitlinien legen die Grundprinzipien und Ziele für den Umweltschutz innerhalb der BAW fest. Sie fungieren dabei als Zeugnis für das Engagement der BAW, über die Einhaltung von Umweltgesetzen hinauszugehen und einen Beitrag zum Schutz unserer natürlichen Lebensgrundlage zu leisten. Außerdem soll damit der Beitrag der BAW im Weg zu einer nachhaltigen Verwaltung und einer umweltbewussteren Gesellschaft beschrieben werden.

Die Umweltleitlinien bestehen aus zwei Teilen. Zum einen aus dem Leitbild und Selbstverständnis, indem sich die BAW zu Ihrer Verpflichtung, einen aktiven Beitrag zum Klima- und Umweltschutz zu leisten, bekennt.

Zum anderen bekennt sich die BAW zu 6 Leitlinien, die die Ziele der BAW hinsichtlich ihrer Umweltleistung darstellen. Die Leitlinien decken dabei verschiedene Bereiche ab, die von der BAW als elementar zur Verbesserung der Umweltleistung identifiziert wurden. Die Leitlinien umfassen:

  • Die Steigerung der Energieeffizienz
  • Den Ausbau der erneuerbaren Energieerzeugung
  • Die Steigerung der Materialeffizienz
  • Die Stärkung einer nachhaltigen Mobilität
  • Die Stärkung einer nachhaltigen Beschaffung
  • Und die Einbindung aller Mitarbeitenden

Sie sind herzlich eingeladen, die gesamten Umweltleitlinien zu lesen. Sie finden sie auf der Website der BAW im Bereich „Über uns“ oder unter folgendem Link: http://www.baw.de/content/publikationen/www-dokumente-oeffentlich/0/BAW_Umweltleitlinien_extern_2024.pdf

Das 5. geotechnische Praktikum für Studierende der Helmut-Schmidt-Universität (2023 / 2024)

Traditionell und inzwischen aus Sicht des Geotechnischen Labors Hamburg durchaus routiniert wurde in den vergangenen Monaten das inzwischen fünfte geotechnische Praktikum für Studierende des Bauingenieurwesens der Helmut-Schmidt-Universität (HSU) ausgerichtet. Neben Studierenden der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV) waren erneut (in deutlicher Mehrzahl) Studierende der Autobahn GmbH und der Bundeswehr dabei. Aus organisatorischen Gründen wurde das Praktikum dieses Mal über zwei Trimester verteilt.

Bereits im Oktober 2023 wurden die Bodenansprache und die Bodenklassifikation an einem Praktikumstag thematisiert. Nach einer kurzen Einführung durch Christian Puscher erläuterte Anne Heeling die fachgerechte Beschreibung des Bodens im Bohrkern. Anschließend konnten die Studierenden die Ansprache an Bohrkernen aus verschiedenen WSV-Projekten aus dem norddeutschen Raum selbst üben und das Material normgerecht visuell, mit Handversuchen oder dem Taschenpenetrometer untersuchen.

Im zweiten Teil dieses Praktikumstages wurden verschiedene Klassifikationsversuche in Kleingruppen stationsweise vorgestellt und von den Studierenden selbst durchgeführt. Die Sieb- und Schlämmanalyse wurde von Femke Behrens angeleitet, die für diesen Tag dankenswerter Weise vom WSA Rhein an die BAW „verliehen“ wurde. Dirk Augner betreute den Versuchsstand zum Kalk- und Glühverlust sowie der Feuchtdichte. Simone Loritz aus dem Geotechnischen Labor Karlsruhe zeigte zusammen mit Julia Sorgatz, wie die Konsistenzgrenzen ermittelt werden. An einer vierten Station wurden die Probenentnahme im Feld mit dem BAW-eigenen Bohrgerät durch Björn Mettig sowie die Bauwerksmessung von Andre Frauendorf vorgestellt.

Gruppenfoto beim Klassifikationspraktikum vor dem Bohrgerät

Der zweite Praktikumsteil mit Fokus auf Versuche zur Bestimmung von Festigkeitseigenschaften fand an zwei Tagen in zwei Kleingruppen im Februar 2024 statt. Martin Pohl erläuterte zum Einstieg die Bedeutung der höherwertigen bodenmechanischen Versuche für die geotechnische Praxis. Anschließend arbeiteten die Studierenden an der Herstellung eines Prüfkörpers für einen Einaxialen Druckversuch oder Triaxialversuch. Hierbei wurde der Schwierigkeitsgrad in diesem Jahr erhöht. Nach einer kurzen Übungsphase an künstlichem Probenmaterial wurde auf Probenmaterial aus einem WSV-Projekt umgestellt.

Die so gewonnenen Prüfkörper wurden anschließend im Einaxialen Druckversuch untersucht, um Eingangswerte für den Geotechnischen Bericht zu generieren. Neben dem Einaxialen Druckversuch wurde an dieser Station mit Julia Sorgatz auch die Laborflügelsonde vorgestellt. Beide Versuche dienen der Bestimmung der undränierten Scherfestigkeit. An einer zweiten Station, die von Dirk Augner betreut wurde, lernten die Studierenden den Triaxialversuch als „Goldstandard“ zur Bestimmung der Scherfestigkeit und des Spannungs-Verformungsverhaltens von Boden kennen. Da der Triaxialversuch mit einer Versuchsdauer zwischen ein bis drei Wochen den Praktikumsnachmittag gesprengt hätte, übten die Studierenden primär den Probeneinbau am Versuchsstand. Die verschiedenen Arten und Phasen des Triaxialversuchs wurden erläutert.

Studierende beim Probeneinbau am isotropen Triaxialversuchsstand

An der letzten Station des Tages wurde der Ödometerversuch kurz vorgestellt und der eigens in der BAW entwickelte Versuchsstand gezeigt. Verschiedene Arbeitsblätter zur Auswertung der Versuche sowie ein kurzes Lehrvideo zum Triaxialversuch ergänzten das praktische Lehrangebot der BAW.

Dem Laborteam der BAW haben die Praktika wieder viel Spaß bereitet. Wir hoffen, dass es den Studierenden ähnlich ging. Besonders bedanken, liebe Simone und Femke, möchten wir uns für eure „externe“ Unterstützung aus Karlsruhe und Bingen. Ohne euch wäre das Praktikum für uns Hamburger Kolleg:innen deutlich schwieriger zu realisieren gewesen.

Informatives Treffen der Beteiligten der Flächenvoruntersuchung des BSH / Informative meeting of those involved in BSH’s preliminary site investigation for offshore wind

Am 16. November 2023 fand der gemeinsame Besuch des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie (Referat O2/Flächenvoruntersuchung) und Mitarbeitenden des Ingenieurbüros Ramboll (Hamburg sowie Espoo/Finnland) bei der BAW in Hamburg – Rissen (Referat K6/Geotechnik Küste) statt.

On November 16th, the joint visit of the Federal Maritime and Hydrographic Agency (BSH) (Department O2/preliminary investigation of sites) and members of the engineering firm Ramboll (Hamburg and Espoo/Finland) took place at the BAW in Hamburg – Rissen (Department K6/geotechnical engineering in coastal areas).


Alle Teilnehmenden sind maßgeblich an der Flächenvoruntersuchung des BSH im Rahmen der Ausschreibung von Flächen zur Errichtung und zum Betrieb von Windenergieanlagen auf See beteiligt. Für diesen Zweck werden geotechnische Feld- und Laborversuche durchgeführt welche zum Teil auf dem Schiff sowie in verschiedenen europäischen Laboren durchgeführt werden. Die Offshore-Arbeiten werden durch Ramboll sowie BAW und BSH begleitet. Entsprechende Ergebnisse werden durch das Ingenieurbüro Ramboll sowie die BAW in geotechnische Berichte gefasst und durch das BSH veröffentlicht.

All participants are significantly involved in the BSH’s preliminary site investigations as part of the tendering process for areas for the construction and operation of offshore wind turbines. For this purpose, geotechnical field and laboratory tests are carried out, some of which are performed on the ship and in various European laboratories. The offshore work is accompanied by Ramboll as well as BAW and BSH. The corresponding results are summarised in geotechnical reports by Ramboll and BAW and later published by the BSH.

Im Laufe der nun bereits einige Jahre andauernden vertrauensvollen Zusammenarbeit kam es leider bisher noch kaum zu persönlichen Treffen in größerer Runde außerhalb von Videokonferenzen. Der informelle Austausch diente allen Beteiligten sich und die BAW besser kennenzulernen. Hierbei hat u. a. auch Marko Kasten vom Referat K1 (Küsteningenieurwesen) einen informativen Vortrag gegeben, in welchem er aktuelle und zukünftige Projekte des Küsteningenieurwesens der BAW beleuchtet hat. Abgerundet wurde der Besuch mit der Besichtigung des geotechnischen Labors.

In the course of this fruitful co-operation, which has now lasted for several years, there have unfortunately hardly been any personal meetings in larger groups outside of video conferences. This informal exchange helped everyone involved to get to know each other and BAW a bit better. Marko Kasten from Department K1 (Coastal Engineering) also gave an informative presentation in which he highlighted current and future coastal engineering projects at BAW. The visit was concluded with a tour of the geotechnical laboratory.


Verfasst von Mussie Kidane

Als wissenschaftlicher Angestellter des Referats K6 beschäftige ich mich vorwiegend mit geotechnischen Fragestellungen im maritimen sowie küstennahen Bereich.

Über‘s Arbeiten und (noch) nicht Fertigsein: Forschung und Erlebnisse an der KTH / Work in progress: Research and experiences at the KTH

In diesem Blogbeitrag berichte ich über meinen Forschungsaufenthalt an der Kungliga Tekniska Högskolan (Königlich Technischen Hochschule, KTH) in Stockholm, der nicht nur von bahnbrechenden Erkenntnissen in der Bodenmechanik 😉, sondern auch von sportlichen Herausforderungen und Weihnachtsstimmung geprägt war.

In this blog post, I will share some impressions from my research stay at the Kungliga Tekniska Högskolan (Royal Institute of Technology, KTH) in Stockholm, which was not only packed with ground-breaking research in soil mechanics 😉, but also with sportive challenges and Christmas spirit.

Das Institutsgebäude im winterlichen Kleid / The institute building in its winter dress

Forschung zur Variabilität von Baugrundeigenschaften / Research about the variability of ground properties

Die übliche Annahme von homogenen Bodeneigenschaften in einer Bodenschicht ist eine Vereinfachung einer oftmals viel komplexeren räumlich heterogenen Bodenrealität. Wir müssen davon ausgehen, dass die Baugrundeigenschaften streuen und mit Unsicherheiten belegt sind. Sieben Wochen durfte ich in der Gruppe Soil and Rock Mechanics an der KTH bei Prof. Stefan Larsson und Dr. Johan Spross zu Gast sein, um mich mit diesem Phänomen und speziell der Quantifizierung von Unsicherheiten zu beschäftigen.

The common concept of homogeneous ground properties in a geotechnical unit is a simplification of an often more complex, spatially heterogeneous ground reality. We have to assume that ground properties are scattered and subject to uncertainty. I was invited to spend seven weeks as a guest researcher working with Dr. Johan Spross in the Division Soil and Rock Mechanics headed by Prof. Stefan Larsson to investigate these uncertainties and methods for their quantification.

Ziel des Forschungsaufenthalts war es, einen in der Arbeitsgruppe entwickelten Ansatz zur multivariaten Datenanalyse weiterzuentwickeln und auf unseren eigenen Datensatz anzuwenden. Die Ergebnisse sollen unter anderem bei der Anwendung des neuen Eurocode 7 helfen. Die Arbeit wurde durch Diskussionen und Austausch sowohl an der KTH als auch mit Kolleg*innen in der BAW unterstützt. Auch die regelmäßige Teilnahme an den Seminaren der Arbeitsgruppe und das Arbeiten in einem internationalen Team waren wichtige Erfahrungen, von denen ich profitieren konnte.

The aim of the research stay was to continue working on an approach to multivariate data analysis developed in the division and apply it to our own data set. Among other things, the results are intended to assist with the application of the new Eurocode 7. The work was supported by discussions and exchanges both within the group at the KTH and with colleagues at BAW. Regular participation in the group’s seminars and working in an international team were also important experiences from which I could benefit.

Mein Arbeitsplatz in Schweden, wo wie auch in Deutschland, das Standardbuch für Zuverlässigkeitsberechungen von ANG & TANG (2007) einen festen Platz hatte / My Swedish workplace that, as in Germany, features the standard workbook for probabilistic engineering by ANG & TANG (2007)

Internationaler Austausch, Shuffleboard und mehr / International exchange, shuffleboard and more

In der Arbeitsgruppe traf ich unter anderem mit Promovierenden und Postdocs aus Schweden, Spanien, Italien, China und dem Iran zusammen. Die Vielfalt der Perspektiven bereicherte nicht nur die wissenschaftlichen Diskussionen, sondern schuf auch eine offene und anregende Atmosphäre. Insgesamt war ich beeindruckt von dem wertschätzenden Umgang miteinander, der auch einen sehr guten wissenschaftlichen Output zu liefern scheint. Ein fester Bestandteil meines Alltags an der KTH war die traditionelle schwedische Kaffeepause, auch Fika genannt, welche immer donnerstags stattfand. Hier trafen sich Kollege*innen, um bei einer Tasse Kaffee und einem süßen Gebäckstück zu plaudern. Diese informellen Treffen boten eine gute Gelegenheit, mehr über die Forschung der anderen zu erfahren und sich in entspannter Atmosphäre auszutauschen.

In the division, I met with PhDs and Postdocs from Sweden, Spain, Italy, China and Iran, among others. The diversity of perspectives not only contributed to the academic discussions, but also created an open and stimulating atmosphere. Overall, I was impressed by the respectful interaction with each other, which also seems to deliver a very good scientific output. An integral part of working at KTH was the traditional Swedish coffee break, also known as Fika, which always took place on Thursdays. Colleagues would meet here to chat over a cup of coffee and a sweet pastry. These informal meetings offered a great opportunity to learn more about the research of other colleagues and to exchange ideas in a relaxed atmosphere.

Fika in diesem Fall mit schwedischen „Geburtstagsflaggen“ anstelle von Geburtstagskerzen / Fika in this case with Swedish „birthday flags“ instead of birthday candles

Neben der Forschung kam auch der Spaß nicht zu kurz. Eine besondere sportliche Herausforderung war ein Shuffleboard-Spielabend, was für Nicht-Schweden gleichbedeutend mit Curling auf einem langen, mit künstlichem Sand bedeckten Küchentisch ist. Mit den Kolleg*innen teamweise im Wettbewerb sorgte insbesondere die Qualifikation der internationalen Spieler*innen für zahlreiche Lacher. Ein weiterer Höhepunkt war der Kulturnachmittag, bei dem jeder sein Heimatland vorstellte, z.B. durch traditionelle Speisen, Filme und Bilder aus der Heimat. Das Luciafest und die Institutsweihnachtsfeier rundete meinen Aufenthalt ab. Bei beiden Veranstaltungen gab es traditionelle schwedische Küche zusammen mit schwedischem Gesang.

In addition to research, there was also plenty of fun. One particular sportive challenge was the shuffleboard evening which for Non-Swedes translates into curling on a long kitchen table that is slightly covered by arteficial sand. Competing in teams with colleagues, the qualification of the international players in particular provided plenty of laughs. Another highlight was the afternoon of cultural exchange, where everyone presented their home country, e.g. through traditional dishes, films and pictures. The Lucia Festival and the institute’s Christmas party completed my stay. Both events featured traditional Swedish cuisine together with Swedish singing.

Fazit / Bottom line

Wie so oft in der Forschung fängt die Arbeit nach dem Forschungsaufenthalt erst richtig an. In den nächsten Monaten müssen die Ergebnisse der sieben Wochen in Publikationen verpackt werden und es gibt viele neue interessante Fragen, die beantwortet werden wollen. Ich bin dankbar, dass die BAW den Aufenthalt unterstützt hat. Auch möchte ich mich bei der Arbeitsgruppe in Schweden bedanken, die mich sehr herzlich aufgenommen hat. Die Zeit an der KTH prägte nicht nur meinen wissenschaftlichen Blickwinkel, sondern auch mein persönliches Wachstum. Ich freue mich auf die weitere Zusammenarbeit.

As often the case in research, the actual work begins after the research stay. Over the next few months, the results of these seven weeks have to be turnded into publications and there are many new interesting questions that need to be answered. I am grateful that the BAW supported my stay. I would also like to express my sincere graditude to the division in Sweden, who gave me a very warm welcome. The stay at KTH not only contributed to my scientific perspective, but also to my personal growth. I look forward to our collaboration in the future.

Schon gesehen? Fotos von früheren Modellen im Wasserbau

Jetzt geht ein Jubiläumsjahr der BAW zu Ende. Die BAW selbst besteht seit 75 Jahren und zählt als Nachfolgerin der Versuchsanstalt für Wasserbau und Schiffbau (VWS), die im Jahre 1903 in Berlin gegründet worden war, mit 120 Jahren Erfahrung zu den ältesten Wasserbaulaboratorien der Welt. Nach dem 2. Weltkrieg wurde auch die Forschungslandschaft Deutschlands gespalten. In Berlin und Potsdam wurde ab 1945 die Forschungsanstalt für Schifffahrt, Wasser- und Grundbau (FAS) als Nachfolgeeinrichtung fortgeführt. 1948 wurde die BAW wegen der großen Bedeutung einer effektiven wasser- und erdbaulichen Infrastruktur für den wirtschaftlichen Wiederaufbau der Bundesrepublik als neue Versuchsanstalt in Karlsruhe mit einer Außenstelle in Hamburg gegründet, siehe auch https://izw.baw.de/publikationen/bawaktuell/0/BAW_Aktuell_03_2023.pdf und https://ausstellungen.deutsche-digitale-bibliothek.de/baw-geschichte/.

Derzeit wird verstärkt der Fotofundus gesichtet, um das Bildmaterial im historischen Bildarchiv der BAW (https://izw-medienarchiv.baw.de/search) zugänglich zu machen. Um insbesondere die Fotos von spannenden Versuchsanlagen und Modellen fachlich einordnen zu können, ist das Gutachtenarchiv der BAW (EWISA) hilfreich. Hier findet man fast alle Gutachten – nur einige fehlen kriegsbedingt oder weil sie 1990 mit der DDR entsorgt wurden. Hier nur ein kleiner Einblick, der hoffentlich neugierig macht.

So ist im Wasserbau die große Anzahl der in den 1950er und 1960er Jahren von – verglichen mit heute – wenigen Ingenieuren (es waren tatsächlich alles Männer) erstellten Gutachten zu bewundern. Ein Versuchsingenieur, der 1955 in der FAS als Berufsanfänger begonnen hatte, war zwischen 1955 und 1959 an acht Gutachten beteiligt. Die früher kürzeren Bearbeitungszeiten im Wasserbau sind sicherlich auch darauf zurückzuführen, dass Aufträge zur Untersuchung oft erteilt wurden, wenn der Bau bereits begonnen hatte. Bauwerke wurden oft weniger als fünf Jahre nach Auslieferung des Gutachtens in Betrieb genommen.

Oft wurden verschiedene Fragestellungen eines Projektes an unterschiedlichen Modellen von einem Versuchsingenieur untersucht. Bei der Talsperre Spremberg sollten Kräfte und Strahlformen bei verschiedenen Wehrklappenstellungen, die dynamische Belastung des Wehrkörpers, Leistungsfähigkeit von Hochwasserüberfall und Grundablass untersucht und das Tosbecken dimensioniert werden. Die Talsperre Spremberg dient dem Hochwasserschutz des Spreewalds und der Brauchwasserversorgung der Braunkohlekraftwerke. Sie war eine der ersten Talsperren, die im Flachland gebaut wurden (1958-1964) und ist die viertgrößte deutsche Talsperre bezogen auf die Seenfläche bei Vollstau. Allerdings wurde sie auch damals nicht vollständig entsprechend den Empfehlungen der FAS gebaut, so dass der gleiche Versuchsingenieur nach Fertigstellung des Bauwerks verschiedene Parameter erneut bestimmen und optimieren musste. Das spricht allerdings dafür, dass tatsächlich eine Erfolgskontrolle stattfand. Letztendlich fehlen heute oft Messdaten der ausgeführten Maßnahmen, um auch die Prognose von Modellen nachträglich zu prüfen. Inzwischen wurde die Talsperre Spremberg zwischen 2005 und 2016 generalsaniert (links das Auslaufbauwerk 2018 im Luftbild und rechts das Modell des Tosbeckens 1955).

Häufig sind ähnliche Fragen bei unterschiedlichen Projekten zu beantworten. Dann werden die Erfahrungen mehrer Projekte zusammengeführt und Entwurfs- oder Handlungsempfehlungen abgeleitet. Z. B. nachdem mehrer Hochwasserentlastungen zu bemessen waren, entwickelte die FAS ein nomografisches Verfahren zur Dimensionierung seitlicher Schussrinnen. Offenbar waren früher zumindest im Flussbau dafür mehr Ressourcen vorhanden, die heute für die Erstellung eigener Rechenmodelle eingesetzt werden. Auffällig ist, dass früher die Empfehlungen oft von Abteilungs- oder Referatsleitern abgeleitet wurden, die auch die Forschungsprojekte leiteten. Wenn die Empfehlungen veröffentlicht wurden, findet man sie übrigens im offenen Fachrepositorium rund um den Wasserbau HENRY der BAW z. B. https://hdl.handle.net/20.500.11970/106101.

Auch für die Modelle selbst mussten Methoden festgelegt werden. So kamen für flussbauliche Projekte zwischen 1948 und 1954 sieben Geschiebetransport-Modelle zum Einsatz.  Man knüpfte dabei an die Kenntnisse mit gefälleverstärkten Sandmodellen, die vor dem Krieg gesammelt worden waren, an.  Dazu führte man vergleichende Untersuchungen an zwei nach dem Krieg noch vorhandenen Modellen durch. Dies betraf u. a. das Modell Schönebeck, Elbe-km 304-309. Zusätzlich zum wiederhergestellten Modell Schönebeck im Maßstab 1:50 (unten links) wurde ein weiteres Modell der Strecke im Maßstab 1:125 aufgebaut, um eine sogenannte „Modellfamilie“ bewerten zu können. Im Rahmen eines Forschungsprojekts wurden im Jahr 1954 dann Ähnlichkeitsbeziehungen abgeleitet, die eine Grundlage für künftige Untersuchungen mit gegenständlichen Geschiebetransportmodelle legten. Ein wenig drängt sich der Eindruck auf, dass in der FAS Modelle auch dann mit beweglicher Sohle betrieben wurden, wenn das für die Lösung Aufgabe nicht unbedingt erforderlich war – weil man es so gut konnte.

Die neu gegründete BAW in Karlsruhe betrieb auch viele gegenständliche Modelle, wobei anfangs ebenfalls Hochwasserbetrachtungen eine große Rolle spielten. Z. B. wurden in den 1950er Jahren die Veränderungen der Strömung bei Nutzung des Schleusenkanals für die Hochwasserabfuhr am Wehr Heilbronn an einem Modell im Maßstab 1:25 (unten links) und die Ausbildung von Kolken bei Hochwasser am Modell (1:45) des Wehrs Poppenweiler am Neckar (rechts) untersucht.

Bei einem Rheinmodell bei Emmerich (ca. Rh-km 850) mit fester Sohle fallen die Rauheitselemente ins Auge, die für die Modellähnlichkeit des großen Modellgebietes (Maßstab Länge 1:250, Höhe 1:50) erforderlich waren. Das Modell war 87 m lang und 21 m breit.

Vergleicht man das Gutachten zu einem Pumpspeicherwerk bei Stuttgart (BAW 1961) mit denen von Markersbach (FAS 1968), fällt die ähnliche Gliederung auf. Auch waren die Gutachten früher offenbar ausdrücklich an den Auftraggeber adressiert, so dass allgemeine Ausführungen zum Projekt fehlten. Die Gutachten waren an die Wasserbau-Fachleute gerichtet und beantworteten dadurch sehr knapp die Fragen. Insbesondere im Flussbau enthalten aktuelle Gutachten nun fachliche Einstimmungen oder Erläuterungen für Fachfremde, da sie oft in Beteiligungsprozessen genutzt werden.

Wegen der großen Bedeutung des Geschiebetransports nutzt man an Elbe und Oder auch für umfassende Analysen langer Flussabschnitte Modelle mit beweglicher Sohle, um Regelungsvorgaben auf ihre Aktualität hin zu prüfen und um Wirkungsmechanismen zu erkunden. Während früher die sogenannte „Berliner Methode“ zum Einsatz kam, bei der das Geschiebematerial im Modell mit Sand abgebildet wurde und das Gefälle im Modell verstärkt werden musste, wird heute Kunststoffgranulat benutzt (siehe auch https://blog.baw.de/wp/?m=202108). Zwischenzeitlich kam sowohl in Karlsruhe als auch in Berlin Braunkohlegrus zum Einsatz.

Die beiden Modelle der Oder, Hohensaaten um Od-km 667 (links), Sandmodell von 1953 im Maßstab 1:60 und Hohenwutzen um Od-km 665, Modell mit Polystyrolgranulat von 2005, Maßstab 1:110 (Länge), 1:40 (Höhe) zeigen die Sohlstruktur der wandernden Dünen sehr ähnlich.

Fotos zum Vergleich früherer Vorgehensweisen beim Modellaufbau- und Betrieb mit heute finden sich im Tagungsband „Wissen über das Gestern für Aufgaben von heute“ https://www.baw.de/de/publikationen/tagungsbaende/tagungsbaende.html, in dem auch weitere Ausführungen zur Geschichte der BAW zusammengefasst sind.

Es lohnt sich, frühere Aufgabenspektren, Arbeitsmethoden und Ergebnisse einer geschichtsträchtigen Versuchsanstalt zu kennen. Auch wenn sich heute infolge anderer Anforderungen und Modellmethoden konkrete Arbeitsweisen verändert haben, bleibt die grundsätzliche Aufgabe, die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung bei ihrer Tätigkeit praxisnah zu unterstützen. Unsere traditionsreiche Einrichtung kann dabei auf einen Wissensfundus zurückblicken, der für aktuelle Aufgaben genutzt werden sollte – auch wenn sich jede Generation das Wissen neu erschließen muss. Bisher wurden vorliegende Daten und Kenntnisse aus früheren Untersuchungen und Forschungsprojekten nur wenig genutzt, um z. B. neue Berechnungsmodelle zu validieren.  Aber es gibt wenige Beispiele für solche Nachnutzungen. So wurden im Rahmen der eindimensionalen Feststofftransportmodellierung Geschiebetransportformeln auch mit Unterstützung von Modelluntersuchungen der 1950er/60er Jahre und der daraus abgeleiteten Zusammenhänge optimiert.

Vielen Dank an die Kolleginnen und Kollegen, die sich der Zusammenstellung der Fotos und deren Beschreibung widmen.