Wasserbau Binnen

Feierliche Inbetriebnahme der Schleuse Gleesen

Am Montag, 14. September 2026, fand die offizielle Inbetriebnahme der Schleuse Gleesen statt. Die BAW folgte der Einladung aufgrund der langjährigen beratenden Begleitung des Projekts. Seit Beginn der Planungen vor rund 20 Jahren stehen die Abteilungen Bautechnik, Geotechnik und Wasserbau der BAW dem Wasserstraßen-Neubauamt Datteln (WNA) bei Planung und Bau der Schleuse beratend zur Seite.

Birgit Maßmann (Leiterin des WNA Datteln) begrüßt die anwesenden Gäste zur Einweihung der Schleuse Gleesen

Der Dortmund-Ems-Kanal (DEK) wurde bereits im 19. Jahrhundert erbaut. Seitdem verbindet der Kanal Westfalen mit der Nordsee. Nach einer siebenjährigen Bauzeit wurde der Kanal im August 1899 durch Kaiser Wilhelm II. eröffnet. Bereits nach wenigen Jahren überstiegen die Transportmengen und Tragfähigkeiten der Schiffe die ursprünglichen Prognosen. Dementsprechend wurden ab 1914 bereits jeweils eine zweite „Große“ Schleuse an den Schleusenstandorten entlang des DEK geplant und errichtet. Aufgrund steigender Transportmengen und Schiffsgrößen sowie des zunehmenden Alters der Schleusen wurde an den Schleusenstandorten ein Ersatzneubau angestrebt. Dieser ermöglicht den Passage von Großmotorgüterschiffen (GMS) sowie Übergroßen Großmotorgüterschiffen (üGMS) am DEK.

Luftbild der vorhandenen Schleusenanlage Gleesen und der Lage des Ersatzneubaus. Quelle: WNA Datteln

Die Planungen für den Neubau an den Schleusenstandorten entlang der „Nordstrecke“ des DEK betreffen die Standorte Rodde, Venhaus, Hesselte und Gleesen. Im Jahr 2007 initiierte die Wasserstaßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV) unter Leitung des WNA Datteln die ersten Planungen. Nach Abschluss der Planungsphase erfolgte im September 2016 der offizielle Spatenstich für den Neubau der Schleuse Glessen. Diese sollte als erste der fünf Schleusen der „Nordstrecke“ fertiggestellt werden.

Im Oktober 2025 wurde die Übergabe der neuen Schleuse vom WNA an das Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) Westdeutsche Kanäle durchgeführt. Nach der geplanten Testphase konnte die Schleuse am 14. September 2026 offiziell in Betrieb genommen werden. In einem feierlichen Rahmen versammelten sich Gäste aus Politik, Generaldirektion und Schifffahrt (GDWS), WSV, ausführenden Firmen und Ingenieurbüros sowie Anwohnern, um diesen ersten Meilenstein gebührend zu feiern. Die Veranstaltungsgäste wurden unter anderem durch Redebeiträge von Christian Hirte (Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminsterium für Verkehr), Grant Hendrik Tonne (Niedersachsens Minister für Verkehr für Wirtschaft, Verkehr und Bauen), Anke Leue (Präsidentin der GDWS) und Birgit Maßmann (Leiterin des WNA Datteln) durch die Veranstaltung geführt. In den verschiedenen Redebeiträgen wurde die Bedeutung der Leistungsfähigkeit des Verkehrsträgers Wasser für die regionale und bundesweite Wirtschaft hervorgehoben. Zudem wurde die konstruktive Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Akteuren aus Politik, WSV und Auftragnehmern betont. Im Anschluss erfolgte die offizielle Inbetriebnahme der Schleuse. Vom Schiff wurde gemeinschaftlich ein rotes Band in der Schleusenkammer durchschnitten. Im Rahmen des abschließenden Get-togethers hatten die Gäste die Gelegenheit, sich neben fachlichen Themen auch über kleine Anekdoten aus der Planungs- und Bauphase auszutauschen.

Durchschneiden des roten Bandes in der neugebauten Schleuse in Gleesen

Die Veranstaltung war sehr gut organisiert und stellte einen gelungenen Abschluss dieses ersten Meilensteins im Rahmen der Ersatzneubauten an der „Nordstrecke“ des DEK dar.

Veranstaltungsgäste beim Verfolgen der Redebeiträge im aufgebauten Festzelt

Die ISE 2026 …

… oder genauer gesagt, das XVI. International Symposium on Ecohydraulics fand dieses Jahr vom 16. bis zum 20. August in Lausanne an der EPFL, der École Polytechnique Fédérale de Lausanne, statt. Neben der EPFL beheimatet Lausanne als olympische Hauptstadt auch den Sitz des Internationalen Olympischen Komitees, dessen Museum wir im Rahmen des Konferenz-begleitenden Galadinners besichtigen konnten.

Olympisches Museum…


…und Olympisches Feuer mit Blick auf den Genfer See – Austragungsort des Konferenzdinners.

Noch sportlicher war allerdings das fachliche Programm des Symposiums: 8 Plenarvorträgen, 35 wissenschaftliche Sessions mit jeweils 4 bis 5 Präsentationen, 4 Workshops, technischen Exkursionen und zahlreichen Meetings erforderten gewisse Sprintqualitäten bei diesem 5-tägigen Dauerlauf. Mit insgesamt 5 Sessions dominierte das Themenfeld rund um die ökologische Durchgängigkeit für Fische die Konferenz, aber auch Themen wie die Organismus-Strömungs-Interaktion, die Gewässermorphodynamik sowie methodische Aspekte wie Fernerkundung und Einsatz von KI standen im Fokus der Beiträge. In dieses Spektrum waren die eigenen Beiträge der BAW und des Schwesterinstituts BfG perfekt eingebettet: Lina Focht (BAW) mit dem Thema „CONTRASTING SWIMMING CHARACTERISTICS OF PASSING AND FAILING ROACH (RUTILUS RUTILUS) DOWNSTREAM OF A VERTICAL SLOT“, David Nijssen (BfG) mit dem Thema „LIMITS OF ELECTROFISHING AS A TOOL FOR MULTISPECIES FISHWAY EVALUATION“ sowie Christian Noß in Vertretung für Abbas El Hachem (beide BAW) mit „AN AI-BASED EULERIAN–LAGRANGIAN MODEL FOR FISH MOVEMENT NEAR A FISHWAY ENTRANCE“.

Bei heißen Außentemperaturen war das kühle Wasser der Sorge eine willkommene Erfrischung bei den Workshop-Teilnehmenden und Senior-Experts. 

Ein besonderes Aufwärmprogramm vor dem eigentlichen Startschuss der Konferenz bot der vom Early Careers on Ecohydraulics Network (ECoENet) organisierte Workshop „From Theory to River: A Practical Ecohydraulics Workshop for Early-Career Scientists“. ECoENet ist ein internationales Forschungsnetzwerk, in dem auch die BAW personell vertreten ist und das Nach-wuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler bei der Weiterentwicklung der Ecohydraulik als interdisziplinäres Forschungsfeld zusammenbringt. Nach einer kurzen theoretischen Einführung ging es für die Teilnehmenden ins Gelände, wo an einem nahegelegenen Gewässer, der Sorge, welche über den Campus der EPFL verläuft, hydromorphologische und hydraulische Aspekte ebenso betrachtet wurden wie Vegetation, aquatische Fauna und Wasserqualität. Unterstützt und angeleitet wurden die Early-Career Researchers dabei von erfahrenen Senior Experts. Neben dem fachlichen Austausch stand auch die Vernetzung im Mittelpunkt – sodass beim eigentlichen Start der Konferenz bereits einige Gesichter bekannt waren.

Gruppenfoto der Teilnehmenden der ISE 2026, Quelle: https://ise2026.epfl.ch/

Nach diesem praxisnahen Auftakt im Freien verlagerten sich die weiteren Konferenztage überwiegend in die Vortragssäle. Eine besondere Aufmerksamkeit erhielten natürlich die Plenarvorträge. Ihre vollständige und eigentlich lohnenswerte Wiedergabe würde den Blogeintrag sprengen, so dass nur beispielhaft der Beitrag von Roman Stocker mit Aufnahmen und Analysen von Bewegungen von Bakterien bis zu Fischen, dem sozio-ökologischen Beitrag von Greg Pasternack zur aktuellen Situation im Einzugsgebiet der San Francisco-Bay mit dem Lebensraum Flussbett für zahlreiche Obdachlose sowie dem Karriere-Preis-Vortrag von Angela Gurnell zu Pflanzen-Strömungs-Interaktionen genannt werden kann.

Auch wenn man gerade erst wieder zum Luftholen kommt, die Eindrücke noch sehr frisch sind und die Beiträge längst noch nicht vollends aufgearbeitet wurden, freut man sich bereits auf die nächste ISE 2028, dann in Warschau.

Christian Noß und Lina Focht

BAWKolloquium: Künstliche Intelligenz für die Bundeswasserstraßen

Unter dem Motto „Künstliche Intelligenz für die Bundeswasserstraßen – Potenziale, Herausforderungen und Anwendungen“ lud die BAW am 12. und 13. Mai zu einem Kolloquium ein. Hierbei ging es vor allem um die Frage, wie die vielfältigen Methoden aus dem Bereich maschinellen Lernens in fachliche Arbeit eingebunden werden können. Dabei waren die Vorträge so breit gestreut wie das Thema selbst und es kam zu einem regen Austausch sowohl in den Kaffeepausen zwischen den Präsentationen als auch beim Abendessen.

Zu Beginn gab Prof. Matthias Bethge in seiner Keynote einen ersten Eindruck des Themas: von ganz großen Weltmodellen bis hin zu den Anwendungsgebieten im Wasserbau. Danach folgten spannende Vorträge, unter anderem zu den Anwendungen der Einflusseinschätzung von Bauwerken, Qualitätskontrolle von Messdaten, Echtzeitanalyse von Gewässern mithilfe von Bilderkennung, flächigen Rekonstruktion von Messdaten in Nord- und Ostsee sowie die Vorstellung von ChatBots für die Bauwerksinspektion oder Infrastruktur-Bestandsdaten. Nach den Präsentationen ging es zu einer Poster-Session über, die dann in ein gemütliches Abendessen zwischen den Modellen in der Halle überging.

Am zweiten Tag begrüßte Prof. Dr. Markus König die Teilnehmenden mit seiner Keynote zu Anwendungen von KI im Bauwesen. Er stellte die Frage, an welchen Stellen maschinelles Lernen sinnvoll ist und wo „nur“ eine klassische Programmierung erforderlich ist, um Prozesse effizient zu automatisieren. Danach ging es direkt fachlich weiter: Optimierungsalgorithmen, die Verwendung zensierter Daten, Schiffssimulationen und Surrogatmodellen zur Beschleunigung numerischer Methoden. Zwischendurch konnten bei einer Demo-Session nochmal die Beine ausgestreckt werden. Die Demo-Sessions waren dabei frei wählbar und reichten von Drohnen und Laserscannern über einen Arbeitsworkflow für maschinelles Lernen, Qualitätskontrolle für LLMs oder der automatischen Erkennung von Verklausungen bis hin zur agentischen Programmierung.

In seinem Schlusswort griff Dr. Roman Weichert nochmal das Thema der Erklärbarkeit auf. Denn unplausible Antworten von KI-Methoden müssen nicht zwangsläufig falsch sein (so wurde beispielsweise die kosmische Hintergrundstrahlung durch Zufall und einer unplausiblen Messung entdeckt). Jedoch ist es sehr schwer diese Phänomene nachzuweisen, wenn man nicht die Korrektheit aller Einzelteile der Methode nachweisen kann oder diese Einzelteile zu komplex miteinander verwoben sind (meist das Problem bei Methoden maschinellen Lernens), um die Ausgabe bis ins Detail nachvollziehen zu können.

W4 beim CampusTag der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Karlsruhe

Vergangenen Samstag fand der jährliche CampusTag der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) in Karlsruhe statt. Die Veranstaltung bietet Studieninteressierten ein vielfältiges Programm, um sich über das duale Studium, Studieninhalte und Berufsperspektiven zu informieren.  Im Mittelpunkt stand jedoch die Firmenmesse, bei der sich die Dualen Partner der DHBW vorstellen und Studieninteressierte Kontakte knüpfen konnten.

Auch die BAW als Dualer Partner war mit einem Stand vertreten. Mit dem mobilen Messestand, einem Bildschirm und allerlei giveaways im Gepäck waren Tom, Lahbib und Laura aus W4 vor Ort, um das duale Studium bei der BAW vorzustellen, Fragen zu beantworten und zu zeigen, was uns als Arbeitgeber ausmacht. Der direkte Austausch hat uns viel Spaß gemacht und ermöglichte uns einen besseren Einblick in die Interessen der Bewerber.

Nach einem langen Tag ging es mit Sack und Pack wieder zurück an die BAW. Ein intensiver CampusTag liegt hinter uns – mit vielen spannenden Gesprächen und neuen Kontakten!

Modellversuche zu Schleuseneinfahrten am DST in Duisburg

Schleusenversuche im Flachwassertank des DST (Foto: Böhm)

Im Dezember 2025 ging es für einige Kollegen aus W4 nach Duisburg zum Entwicklungszentrum für Schiffstechnik und Transportsysteme (DST). Hier wurden in einer zweiwöchigen Messkampagne Modellversuche von Schleuseneinfahrten unter Flachwasserbedingungen durchgeführt. Die Versuche sind Teil eines FuE-Projektes, das von Melissa Böhm bearbeitet wird und die Wechselwirkung zwischen Binnenschiff und Wasserstraße unter Extrembedingungen untersucht. Was bedeutet das genau?

Im Kern dreht sich das Thema um den Schiffsführungssimulator ANS6000 der BAW in Karlsruhe. Dieser ist in den letzten Jahren verstärkt auf die physikalisch korrekte Modellierung von Flachwassersituationen auf Binnenwasserstraßen weiterentwickelt worden. Die fahrdynamischen Modelle gelten nur für die vertikale Beschränkung der Wasserstraße und berücksichtigen daher nicht die Komplexität verschiedener Bedingungen, wie sie beispielsweise beim Ein- und Ausfahren in Schleusen auftreten. Mithilfe der Modellversuche und den vorangegangenen numerischen Untersuchungen sollen die fahrdynamischen Modelle im Simulator hinsichtlich solcher Bedingungen weiter entwickelt werden.

Das DST verfügt über einen etwa 200 m langen und 9 m breiten Tank, der speziell auf die Untersuchung von Flachwassersituationen ausgelegt und damit ideal für die geplanten Versuche ist. Für diese wurde eigens eine vereinfachte Schleusengeometrie im Maßstab 1:16 angefertigt und in den Flachwassertank des DST gebaut. Über das modular eingebaute Hubtor konnte die Länge der Modellschleuse zwischen 9 m und 20 m flexibel variiert werden. Die Breite des Schleusenmodells betrug etwa 0,8 m. Das verwendete Schiffsmodell ist das sogenannte Referenzschiff, ein Benchmark-Modell, welches einem 135 m langen, typischen Binnenschiff entspricht. Im Versuch war es stolze 8,4 m lang und 0,7 m breit (Wer mitgerechnet hat wird feststellen, dass zwischen Schiff und Schleusenwand auf jeder Seite gerade einmal 5 cm liegen).

Flachwassertank mit eingebauter Schleusengeometrie (Foto: Böhm)

Weitere Schlüsselparameter sind die Schiffsgeschwindigkeit und das Verhältnis h/T. Dabei steht h für die Wassertiefe und T für den Schiffstiefgang. Das h/T und ist ein Maß für die Kielfreiheit eines Schiffes. Von Flachwasser spricht man bei h/T-Verhältnissen kleiner als 2,0 und größer gleich 1,1. Im Klartext: Bei einem Schiff mit 3 m Tiefgang liegt die Wassertiefe zwischen 3,3 und 6 m. Die Modellgeschwindigkeit wurde von 0,14 m/s bis hin zu 0,35 m/s variiert, das entspricht etwa 2 km/h bis 5 km/h in der Großausführung.

Modellschiff während der Versuchsfahrt (Foto: Böhm)

Die Versuche umfassten sogenannte gefesselte und frei fahrende Propulsionsfahrten. Zu Beginn jeder Messfahrt wird das Schiff einige Schiffslängen vor der Schleuseneinfahrt positioniert. Nach dem Beschleunigen auf die Sollgeschwindigkeit fährt es mit konstanter Geschwindigkeit in die Schleuse ein und wird in der Kammer vor dem Hubtor abgestoppt, hier endet die Messfahrt. Die untere Abbildung zeigt den Schleppwagen, der das Schiff während der Fahrt führt. Dieser ist mit diverser Messtechnik ausgestattet. In einem gefesselten Versuch wird das Schiff fest mit dem Schleppwagen verbunden und über diesen durch den Tank bewegt. In einem frei fahrenden Versuch besteht keine feste Verbindung zwischen Schiff und Wagen, das Schiff wird mithilfe des eingebauten Propellers angetrieben und vom Wagen nur geführt. Die Genauigkeit, mit der die Schleuse aufgebaut und die Versuche durchgeführt wurden, war für mich besonders beeindruckend!

Schleppwagen mit Messtechnik (Foto: Spielberger)

Gefesselt, nicht gefesselt, verschiedene Schleusenlängen, h/T-Verhältnisse und Geschwindigkeiten… Zum Schluss sah die Versuchsmatrix eine stolze Anzahl von 45 Fahrten vor. Durch den Einsatz der Kollegen vom DST, die für einen reibungslosen Versuchsablauf sorgten, konnte diese Zahl in den zwei Wochen Versuchsbetrieb übertroffen werden. Auch einige Kollegen aus W4 – Lahbib, Johannes, Carol und ich – bekamen die Gelegenheit, die Versuche zeitweise zu begleiten und das DST-Team tatkräftig zu unterstützen. Melissa nutzte die Zeit außerdem um die Kamera auszupacken und fleißig Fotos zu schießen. Als schöner Nebeneffekt der Messkampagne hatten wir abends noch die Gelegenheit für einen Abstecher auf den Duisburger Weihnachtsmarkt.

Mit den Messdaten und einem Berg an Fotos im Gepäck traten wir am Freitag vor Weihnachten den Rückweg nach Karlsruhe an. Man könnte also sagen, dass Melissa ein nicht ganz kleines Weihnachtsgeschenk vom DST bekommen hat.

Kolloquium „Hydraulik und Fische“

Unter dem Titel „Hydraulik und Fische“ luden BAW und BfG am 12. und 13. November 2025 zum 9. Kolloquium aus der Reihe „Wiederherstellung der ökologischen Durchgängigkeit an Bundeswasserstraßen“ ein. Im Mittelpunkt standen die Fragen „Wie nutzen Fische die Strömung für ihre Fortbewegung?“ und „Wie können Forschungsergebnisse in die Praxis übertragen werden, um Wasserbauwerke für die Fischwanderung zu optimieren?“. Mit rund 140 Teilnehmenden war die Halle IV bis auf den letzten Platz gefüllt.

Christian Noß, Leiter des Referats „Wasserstraße und Umwelt“ der BAW, begrüßt die Teilnehmenden

Die beiden Veranstaltungstage starteten jeweils mit einer Keynote, um den Blick zu weiten. In der ersten Keynote zeigte Prof. Horst Bleckmann (Uni Bonn) uns das sensorische System der Fische und wie sie dies zur Orientierung einsetzen. Er erläuterte, dass Fische durch ihre Bewegung Wirbel erzeugen, durch die andere Fische auch noch Minuten später wissen, ob und in welche Richtung ein Fisch geschwommen ist. Auch feste Objekte im Wasser können durch die erzeugten Wirbel in Größe und Raumausrichtung von den Fischen detektiert werden. Und wer sich gefragt hat, ob Fische hören, hat in dem Vortrag die Antwort bekommen: Fische können mindestens so gut hören wie Menschen. Am zweiten Tag motivierte uns Steven Cooke von der Carleton University in Kanada, wie wir die Biodiversitätskrise der Fließgewässer in Angriff nehmen können. Dabei kommt es nicht nur auf die Wissenschaft an, sondern auch, das erlangte Wissen der Gesellschaft zu vermitteln. Hier wurde die Idee aufgeworfen „Findet Nemo“ auf die Fließgewässer zu übertragen und damit auch in der breiten Öffentlichkeit das Bewusstsein für das System Fließgewässer zu stärken. Außerdem ist es nicht nur wichtig die Erfolge darzustellen und zu feiern, sondern genauso wichtig ist es auch über die Fehler zu sprechen -damit andere diese nicht wiederholen. 

Steven Cooke betonte die Wichtigkeit der Kollaboration aller Beteiligten um die Wiederherstellung der ökologischen Durchgängigkeit voranzutreiben

Neben den spannenden Keynotes haben Vortragende aus dem In- und Ausland ihr Wissen geteilt. Dabei wurden Themen wie die Wechselwirkungen zwischen Turbulenz und Fischen, Methoden zur Observierung von Fischen in Strömungen sowie Monitoringstudien und ethohydraulische Versuche vorgestellt. Es wurde deutlich, dass Fischaufstiegs- und Fischabstiegsanlagen das Problem in Fließgewässern nicht lösen, sondern lediglich die Folgen unterbrochener Wanderwege abmildern.

Zeit für Diskussionen und Rückfragen bot sich direkt im Anschluss an die Vorträge und in den Kaffeepausen. Bevor der fachliche Austausch auch beim Abendessen in Halle V vertieft wurde und neue Kontakte geknüpft wurden, gab es eine Hallenführung, bei der u. a. ein neues Schlitzpassmodell von W1 vorgestellt wurde, welches tags zuvor zum ersten Mal mit Wasser gefüllt wurde.

Nach dem offiziellen Ende der Veranstaltung fanden sich rund 30 Expertinnen und Experten zum Knowledge Café zusammen. Hier wurden in Kleingruppen zunächst drängende Forschungsfragen identifiziert und in einer zweiten Runde mögliche Lösungsansätze diskutiert.

Wir danken allen Mitwirkenden für die interessanten Vorträge und allen Teilnehmenden für die spannenden Diskussionen, die zu dieser rundum gelungenen Veranstaltung beigetragen haben!

Abteilungsübergreifend vernetzt: Ein Rückblick auf das Forschungsrendezvous 2025 in Hamburg

Das diesjährige Forschungsrendezvous fand vom 15. bis 17. Oktober am Standort Hamburg statt – dieses Mal hauptsächlich auf Englisch. An der Veranstaltung nahmen 42 Mitarbeitende aus der Gruppe des Forschungspersonals und der JuWis aus insgesamt 14 Referaten teil.

Im Mittelpunkt standen dabei der interdisziplinäre Austausch zwischen den Abteilungen sowie Sessions und Workshops zu fachlichen und überfachlichen Themen von engagierten Referenten aus dem Kreis des Forschungspersonals. Insbesondere zukunftsorientierte Themen wie das Potential der künstlichen Intelligenz im Arbeitsalltag wurden mit großem Interesse diskutiert. Im Rahmen eines Hackathons wurde in kleinen Teams aus einem unbekanntem Datensatz in kürzester Zeit eine Forschungsfrage entwickelt, analysiert und präsentiert. Dabei waren neben technischem Know-how auch Teamarbeit, Zeitmanagement und lösungsorientiertes Arbeiten gefragt. Weiterhin standen Workshops unter anderem zu Präsentationstechniken, wissenschaftlichem Schreiben, Programmierung, Datenverarbeitung und Visualisierung auf dem Programm. Eine Exkursion mit fachlicher Begleitung zeigte die Besonderheiten und die Entwicklung des Hamburger Hafens auf und bot reichlich Anschlusspunkte an die Arbeiten an der BAW.

Insgesamt bietet das Forschungsrendezvous einen einzigartigen Rahmen für den interdisziplinären Austausch innerhalb des Forschungspersonals an der BAW, was sich auch in der durchweg positiven Resonanz der Teilnehmenden widerspiegelte. Das Organisationsteam bedankt sich bei allen Session-Leitenden und den Teilnehmenden für ihr Engagement, welches das Forschungsrendezvous erst möglich gemacht hat, sowie bei Verwaltung und Forschungskoordination für den starken Rückhalt und die tatkräftige Unterstützung.


HyProTwin: Ein starker Start für smarte Infrastruktur

Mit viel Energie startete HyProTwin, unser neues Projekt, das Wissen in der Infrastrukturbranche klüger nutzen soll. Gefördert durch das mFUND-Programm des BMDV, entwickeln wir digitale Zwillinge von Wasserstraßenbauwerken, die unübersichtliche Datenquellen bündeln und für Wartung und Planung nutzbar machen. Ende April trafen wir, das BAW-Team, mit unseren Partnern plusmeta, Contact Software GmbH und IIB der TU Darmstadt in Karlsruhe zusammen. Zwei Tage voller Austausch, Diskussionen und konkreter Pläne haben uns einen kräftigen Schub gegeben. Alle Details zum Projekt finden Sie im HyProTwin Projektsteckbrief.

Tag 1: Gemeinsam die Richtung finden

Der erste Tag war für uns als Team reserviert. Es ging darum, unsere Ziele zu schärfen: Wie können wir das Wissen von Ingenieuren so aufbereiten, dass Computer damit arbeiten können? Am Beispiel von Bauwerksinspektionen wurde klar, wie knifflig das ist und wie groß das Potenzial. Mit einer cleveren Kombination aus regelbasierter und lernender KI wollen wir Daten von Schleusen, Wehren oder Düker intelligent verknüpfen. Die Gespräche waren intensiv, manchmal hitzig, aber immer konstruktiv. Sie haben uns nicht nur klügere Lösungen, sondern auch Motivation und Vertrauen gebracht.

Am Abend im Schlosspark, bei gutem Essen und lockeren Gesprächen, wuchs das Team noch enger zusammen. Ein Projekt wie dieses braucht Technik und Menschen, die füreinander einstehen.

Tag 2: Ein Projekt für die Fachwelt

Am zweiten Tag öffneten wir die Runde für Gäste, virtuell und aus der Branche. Vertreter von Ruhrverband, DB InfraGo, Autobahn GmbH und der WSV waren dabei. Sie zeigten großes Interesse an unserem Vorhaben: Wissen besser zu nutzen, ist ein Thema, das die gesamte Branche bewegt. HyProTwin passt genau in diese Lücke.

Wir stellten unser Vorhaben vor, vom strukturierten Erfassen von Wissen bis hin zu praktischen Anwendungen. Die Resonanz war ermutigend: HyProTwin bringt Praxis und Innovation zusammen.

Teamfoto nach der öffentlichen Auftakt-Veranstaltung in Karlsruhe
Team HyProTwin

Jetzt geht’s los!

Der Auftakt hat die Grundlage geschaffen. Nun geht’s an die Arbeit: konkrete Szenarien entwickeln, erste Modelle testen, einen Prototyp bauen. In enger Zusammenarbeit mit der WSV testen wir unsere Lösung direkt an realen Wasserstraßenbauwerken, mit dem Ziel, bis 2028 einen funktionsfähigen Demonstrator zu schaffen. Unser Ziel? Wissen dorthin bringen, wo es gebraucht wird.

Wir vom BAW-Team sind bereit und freuen uns, mit HyProTwin die Infrastruktur von morgen mitzugestalten.

Der Planungsnavigator – Navigation durch die Weiten der Planungswelten

Der Planungsnavigator PlaN ist online!
Zunächst wird PlaN im Themenfeld Ökologische Durchgängigkeit (ÖD) auf der Webseite https://izw.baw.de/planoed/vu veröffentlicht.

Planungsnavigator Ökologische Durchgängigkeit


Was ist nun der Sinn und Zweck dieser Anwendung?
In der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung (WSV) werden in verschiedenen Ämtern immer wieder ähnliche Vorgänge abgewickelt, wie z. B. die Planung von Fischaufstiegs- und Fischabstiegsanlagen zur Wiederherstellung der ökologischen Durchgängigkeit an Bundeswasserstraßen. Viele der erforderlichen Schritte bei der Planung wiederholen sich und können standardisiert werden. Mit PlaN ÖD steht ein Werkzeug zur Verfügung, das durch die Schritte der Voruntersuchung leiten kann und wertvolle Informationen für den Planungsprozess und die Erstellung des Erläuterungsberichts enthält. Ziele sind die Beschleunigung der Planung, die Standardisierung der Texte mit dem Hintergrund beschleunigter Genehmigung und die Wissensvermittlung im Bereich Ökologische Durchgängigkeit.

Aus PlaN ÖD gibt es direkte Verknüpfungen zu Dokumenten, u.a. auf der IZW-Seite Ökologische Durchgängigkeit, zur Webanwendung SchlitzpassBerechnung und zu Schulungsmaterial im IZW-Campus. Die Textbearbeitung fand in einer Projektgruppe aus GDWS, BfG und BAW statt, die technische Umsetzung hat arxio beigesteuert.

Für die WSV ist es wichtig, dass die Anwendung auf der WSV-internen Verwaltungsvorschrift 2107 basiert. Das hilft natürlich auch den Ingenieurbüros, die von der WSV mit der Planung von Fischaufstiegs- und Fischabstiegsanlagen beauftragt werden und die PlaN ÖD ebenfalls nutzen können.

PlaN ÖD ist zunächst ein Prototyp und hat noch nicht die volle Nutzerfreundlichkeit erreicht. Aktuell wird die zugrunde liegende Webanwendung daher weiterentwickelt. Weitere Themengebiete für Planungsnavigatoren werden in den Blick genommen.

Verfasst von Anne Kampker

Ich bin wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Abteilung Wasserbau im Binnenbereich. Ich berate die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung bei der Planung von Fischaufstiegsanlagen und arbeite an der Digitalisierung von Planungsprozessen.

Das Portal KuWiK – endlich online!

Nach langer Vorbereitung ist es endlich soweit! Das Portal KuWiK ist online!

KuWiK? Das steht für Küste und Wasserstraße im Klimawandel: Wir informieren auf dem Portal über die möglichen Auswirkungen des Klimawandels auf die Wasserstraßen sowie die Ästuare und das Küstenvorfeld.

Die BAW betreibt das Portal KuWiK als Partner im DAS-Basisdienst „Klima und Wasser“. Durch die enge Zusammenarbeit mit dem Deutschen Wetterdienst (DWD), dem Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) sowie der Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG) können aufeinander aufbauende Informationen über die möglichen Auswirkungen des Klimawandels auf die Wasserstraßen bereitgestellt werden.

Das Portal beinhaltet Daten und Änderungssignale unter Berücksichtigung der Folgen des Klimawandels. Möchtet ihr wissen, um wie viel sich beispielsweise die mittlere Flutstromgeschwindigkeit im Elbe-Ästuar ändert, wenn der Meeresspiegel um 0,5 m oder 1 m steigt? Oder hättet ihr gerne eine Idee davon, wie sich die Mittelwasserverhältnisse am Niederrhein gegen Ende des Jahrhunderts entwickeln können und was das für die Wassertiefe in der Fahrrinne bedeuten kann? Oder fragt ihr euch, wie groß die Bandbreite möglicher klimawandelbedingter Änderungen der Gütertransportmengen am Rhein in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts sein können?
KuWiK liefert ein niederschwelliges Angebot, um Antworten auf diese und weitere Fragen zu erhalten. Die interaktiven Seiten laden zum Erkunden ein und können gleichzeitig dort, wo bereits Daten vorliegen, bestmöglich informieren. Abrufbar sind Daten zu mittlerer Wassertiefe, Strömungs- und Fließgeschwindigkeiten, Gütertransportmengen sowie Tidekennwerten wie z.B. Tidehub. Das Datenangebot soll kontinuierlich räumlich und inhaltlich erweitert und verbessert werden.

Neben dem reinen Datenangebot des Portals stehen wir natürlich weiterhin beratend zur Verfügung und helfen gerne bei der Zusammenstellung von Informationen, wie beispielsweise der Auswahl relevanter Klimaszenarien für entsprechende Fragestellungen.

Hier geht´s zum Portal: kuwik.baw.de
Schaut vorbei, klickt euch durch und kommt auf uns zu!
Euer KuWiK-Team des DAS-Basisdienstes