Bildatlas zum Klimawandel in neuer interaktiver Publikationsreihe der BAW

BildatlasUm die umfangreichen Untersuchungsergebnisse aus KLIWAS und KLIMZUG-NORD geeignet darzustellen, haben wir die neue Möglichkeit der interaktiven Publikationsreihe BAWBildatlas genutzt. Als Ergänzung zu den Forschungsberichten aus KLIWAS und KLIMZUG-NORD sind zwei interaktive Bildatlanten erschienen. Sie beinhalten umfangreiche Analysen zu möglichen Auswirkungen des Klimawandels auf Wasserstand und Strömung in den Ästuaren von Elbe, Jade-Weser und Ems. Sie können z.B. als Nachschlagewerke dienen, um Betroffenheiten schnell zu identifizieren.

Im Rahmen der Projekte KLIWAS und KLIMZUG-NORD hat die BAW mithilfe dreidimensionaler hydrodynamisch-numerischer Modelle der Ästuare von Elbe, Jade-Weser und Ems in verschiedenen Szenarien zentrale Aspekte möglicher Zukünfte untersucht. Die Haupteinflussfaktoren Meeres­spiegel, Oberwasserzufluss und Wind werden im Rahmen der erwarteten Änderungen durch den Klimawandel variiert. Mittels dieser Sensitivitätsstudien lassen sich klare Wenn-Dann Aussagen formulieren und mögliche Betroffenheiten ableiten. Die Ergebnisse stellen somit keine Projektionen dar, sondern vermitteln vielmehr, welche Auswirkungen mit welchen potenziellen Änderungen der Eingangsparameter verbunden sind. Im zweiten Schritt werden ausgewählte Szenarien in Kombination mit Anpassungsoptionen wiederholt.

KLIWAS beschäftigte sich mit den Auswirkungen des Klimawandels auf Wasserstraßen und Schifffahrt. Es wurden Betroffenheiten identifiziert und mögliche Anpassungsoptionen untersucht. Im Schlussbericht Auswirkungen des Klimawandels auf die deutsche Küste und die Ästuare sind die bei der BAW erarbeiteten Ergebnisse der KLIWAS-Projekte 2.04 / 3.02 dargestellt.

KLIMZUG-NORD betrachtete die Folgen eines möglichen Klimawandels für die Metropolregion Hamburg. Die Ist-Situation und zukünftige Veränderungen sind in Berichten aus den Modellgebieten z.B. Wilhelmsburg im Klimawandel (Schlünzen, K.H. und Linde, M. (Hrsg), 2014) dargestellt. Das Kursbuch Klimaanpassung (KLIMZUG-NORD Verbund, 2014) zeigt Handlungsoptionen für die Metropolregion Hamburg auf.

Die Ergebnisse aus KLIWAS und KLIMZUG-NORD bilden ebenfalls die Grundlage für folgende Veröffentlichungen im Sonderheft zur ICHE 2014 Die Küste 81 (2014):

  1.  E.Rudolph: Storm Surges in the Elbe, Jade-Weser and Ems Estuaries
  2.  R.Seiffert und F.Hesser: Investigating Climate Change Impacts and Adaptation Strategies in German Estuaries

 

Verfasst von Elisabeth Rudolph

Dipl. Meteorologin, seit 1994 bei der BAW angestellt. Sie untersucht Sturmfluten in den Ästuaren von Elbe, Jade-Weser und Ems.

Wie viel Sediment ein Schiff wohl aufwirbelt?

Wie viel Sediment wirbelt ein Schiff am Gewässergrund auf? Im Fachjargon: Abschätzung des schiffserzeugten Sedimenttransports. So treibt die Kollegen in dem Forschungsprojekt „Schiffserzeugter Sedimenttransport in Seeschifffahrtsstraßen“ auch die Frage um, ob es überhaupt möglich ist, das Signal der schiffserzeugten Schwebstoffkonzentration von der in einem Tidegewässer natürlich auftretenden hohen Schwebstoffkonzentration zu trennen. Um auch diese Frage messtechnisch zu beantworten, führte die BAW zusammen mit dem WSA Hamburg und der Firma AquaVision BV (NL) umfangreiche 16-tägige (23.10. – 08.11.2015) Messungen direkt vor der Haustür in der Elbe nahe Lühesand (vgl. Titelbild) durch.

Unter Einbeziehung der nautischen Abteilung des WSA-Hamburg bestand die besondere Herausforderung darin, ein Konzept zu entwickeln, zahlreiche Messgeräte direkt in der Fahrrinne der Elbe zu installieren, ohne den Schiffsverkehr beim Ausbringen und Einholen der Gerätschaften sowie während der Messungen zu gefährden. Schließlich war zu vermuten, dass einige Schiffe mit einer sehr geringen Kielfreiheit über die Messgeräte am Gewässergrund fahren werden. Von der Auswahl eines geeigneten Messgebietes bis zur Installation der Messgeräte verging eine etwa halbjährliche intensive Planungsphase. Hierbei waren zahlreiche Randbedingungen zu berücksichtigen. Der Messzeitraum musste lang genug sein, denn es sollten möglichst ausreichend „große Schiffe“ von mehr 350 m Länge den Messbereich passieren. Die Sohle sollte mit möglichst leicht erodierbaren Material bedeckt sein, gleichzeitig jedoch stabil genug sein, dass sie die ca. 800 kg schweren Ankersteine trägt und nicht im Schlick versinken lässt. Zudem sollte es im Messquerschnitt möglich sein, die Ankersteine in kurzer Zeit gefahrlos auszubringen und zu bergen, ohne die Schifffahrt zu beeinträchtigen. Dies gelang unter Verwendung von rund 900 m Ankerkette. Abgestimmt werden musste auch, dass der vorgesehene Messzeitraum möglichst unbeeinflusst von Maßnahmen wie Unterhaltungsbaggerungen ist, die zu einer Trübungsänderung führen könnten.
Dank detaillierter Planung seitens der BAW und einer sehr verlässlichen und guten Zusammenarbeit mit dem WSA Hamburg (speziell dem Außenbezirk Wedel) verflüchtigte sich jedoch das anfängliche Unwohlsein in der Magengegend der Verantwortlichen und die strombaupolizeiliche Genehmigung zur Durchführung der Messungen konnte erteilt werden.

Das Titelbild zeigt den Messbereich in der Elbe nahe Lühesand. Für die sohlnahen punktuellen Messungen wurden 6 Ankersteine (blaue Quadrate im Titelbild) in der Fahrrinne versenkt. Die Ankersteine sind jeweils mit Trübungssensoren, Drucksonden (Wasserspiegellage) und zeitlich hochauflösenden ADV-Strömungsmessgeräten (32 Hz) bestückt. Die nachstehenden Bilder geben einen Eindruck des Messgeräteaufbaus. Um die räumliche und zeitliche Schwebstoffverteilung in der Wassersäule zu erfassen, wurden darüber hinaus an drei Tagen schiffsgestützte ADCP-Messungen durch die Firma AquaVision BV durchgeführt.

 

Ausbringen und bergen der massiven Ankersteine. Verbunden sind die einzelnen Steine mit einer insgesamt 900m langen Kette.

Ausbringen und bergen der massiven Ankersteine. Verbunden sind die einzelnen Steine mit einer insgesamt 900 m langen Kette.

Beim Arbeiten in der Natur missglückt erfahrungsgemäß die eine oder andere Messung. Nur zwei der insgesamt 12 Messgeräte stellten etwas vorzeitig ihren Dienst ein. In Anbetracht der komplexen Messungen ist das ein guter Wert.

Nun beginnt die eigentliche Arbeit der Wissenschaftler. Nach der Faustregel eines erfahrenen Kollegen heißen 16 Tage im Gelände messen, im Anschluss ca. 160 Tage im Büro zu verbringen. Dies bedeutet dann, gewissenhaft die Messdaten analysieren und bewerten. Allerdings wird am Ende häufig ein Pulk neuer Fragen aufgeworfen.

 

Verfasst von Steffen Grünler

Als wissenschaftlicher Angestellter prüfe, analysiere und interpretiere ich mittels komplexen Messtechnologien aufgenommene Daten. Der Fokus der Naturuntersuchungen liegt hierbei auf Strömungs- und Transportprozessen in Tideästuaren.

Jährliches Treffen der Telemac-Benutzer – Welcome to England!

Telemac_Masc„Telemac-Mascaret User Conference“ – zu diesem Event treffen sich jährlich  Telemac-System-Anwender aus sehr unterschiedlichen Arbeitsgebieten, -entwickler und Konsortiumsmitglieder zum Austausch und zur Präsentation Ihrer Projekte. Gastgeber ist immer ein Konsortiumsmitglied, wie auch 2013 die BAW in Karlsruhe (mehr unter www.opentelemac.org).

In diesem Jahr lud das Daresbury Laboratory vom 15. bis 16. Oktober 2015 in seine Räumlichkeiten ein. Die BAW war mit 4 fachlich unterschiedlichen Beiträgen aus den Bereichen Entwicklung und Projekt-Bearbeitung bei dem Treffen vertreten.

Mittwoch morgen um kurz nach 7Uhr machten sich also 4 hochmotivierte BAWler vom Karlsruher Hauptbahnhof auf den Weg nach Daresbury, UK. Ihre Reise führte über den Frankfurter Flughafen nach Manchester und endete mit einem Großraumtaxi (geteilt mit drei, zufällig auf dem Flughafen getroffenen Kollegen aus Österreich  – leider – nicht klassisch im Cab) vor dem Konferenzhotel in Chester. Da das Daresbury Laboratory wahrscheinlich die größte Einrichtung in dem sonst sehr überschaubaren Ort Daresbury (3906 Einwohner laut Wikipedia) ist, waren wir Konferenzteilnehmer in einem Hotel im ca. 30km entfernten Chester untergebracht. Daresbury ist nicht nur durch das 1967 eröffnete Labor (mehr unter httpsTUC2015_Chester1://en.wikipedia.org/wiki/Daresbury_Laboratory) bekannt sondern war auch die Heimat von Lewis Carroll, dem Autor von „Alice im Wunderland“ (für Interessierte: https://de.wikipedia.org/wiki/Daresbury). Chester hat römische Wurzeln (Teile davon sind heute noch zu besichtigen), war laut Wikipedia einmal der größte Binnenhafen Englands und ist für seine mittelalterliche Altstadt und die „Rows“ bekannt und sehenswert. Gleichzeitig für uns Flussbauer spannend: nach der Versandung des vorbeifließenden „Dee“ löste Liverpool an der Mersey-Mündung die Stadt ab (Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Chester). Auch die „Union-Canals“ und die „Narrowboats“ prägten für uns das Bild der Region mit.

Donnerstag früh um 8:00 (brit. Zeit) warteten zwei Busse, um die ca. 80 Konferenzteilnehmer vom Hotel zum Tagungsort zu bringen. Auf dem 30-minütigen Weg konnten wir uns einen guten Eindruck des Berufspendelns in Nord-England auf der Strecke von Manchester nach Liverpool verschaffen.

Begrüßt wurden wir Punkt 9 Uhr vom gefühlten Oberhaupt der Telemac-Familie Jean-Michel Hervouet, der wie immer kurzweilig über neue Entwicklungen berichtete. Es schwang aber auch Wehmut mit, denn es war wohl die letzte Begrüßung durch ihn – er geht demnächst in den Ruhestand. Danach wurde es „sportlich“: 10 Vorträge bis zum Lunch um 13:00, nach dem Lunch nochmal 9 Beiträge – alles im 15 Minuten-Takt, soweit die Zeit von den RednerInnen nicht überzogen wurde. Sowohl das TanzThemenspektrum (großräumige Ozeanmodellierung – alpiner Sedimenttransport – Flussmodellierung – numerische Entwicklungen…) als auch das Spektrum an Nationalitäten der Vortragenden waren breit gefächert. Kurze Kaffeepausen wurden für vertiefendes Fachgespräch und Durchatmen genutzt. Lockerer wurde es am Abend, als zum Conference-Dinner im Hotel geladen wurde. Wir konnten schmecken, dass sich die Organisatoren im Zusammenarbeit mit dem Hotel im Vorfeld viel Mühe gegeben hatten, uns einen guten Eindruck von der englischen/ lokalen Küche mit auf den Heimweg zu geben. Besonders Cheshire-Käse, „lemon tarte“ und „Eaton Mess“ werden uns geschmacklich in bester Erinnerung bleiben. Highlight war aber die Band, die uns musikalisch britisch durch den Abend begleitete. Tanzende Numeriker sieht man nicht alle Tage…

Am nächsten Morgen ging es wieder um 8:00 in den Berufsverkehr und pünktlich um 9:00 „sportlich“ und so divers wie am Vortag in der Konferenz weiter: noch 13 Beiträge warteten auf uns Zuhörer.

Um 15:15 (nach verkürzter Mittagspause) war genauso pünktlich auch alles schon wieder vorbei und die TeilnehmermTUC2015-Anreise5_1enge verteilte sich – dank sehr guter Organisation – in Windes Eile auf bereitgestellte Busse und Mini-Busse in Richtung Flughafen bzw. Bahnhof oder Konferenzhotel.

Was bleibt? Für uns als BAWler, die wir sowohl End-User als auch Konsortiumsmitglied sind, bleibt der wichtige Blick über den eigenen Horizont, bleiben aber auch neue Kontakte, bereits bestehende aufgefrischte Kontakte und Anregungen weit über den Flussbau hinaus.

Na dann…, au revoir á Paris en 2016!! Manuela & Regina

Verfasst von Manuela Baron

Wer bin ich? Dipl. Bauingenieurin und seit mehreren Jahren mit der mehrdimensionalen HN-Modellierung im Bereich Wasserbau beschäftigt.

10. Deutsche Klimatagung in Hamburg

Direkt an der Elbe mit Blick über den Hamburger Hafen trafen sich vom 21. bis 24. September 2015 mehr als 200 Klimaforscherinnen und -forscher zur 10. Deutschen Klimatagung in der HafenCity Universität Hamburg (HCU). In diesem Jahr wurde die Tagung gemeinsam von der Deutschen Meteorologischen Gesellschaft (DMG) und dem KlimaCampus Hamburg, einem Netzwerk von Institutionen in der Metropolregion Hamburg, die im Bereich Klima- und Klimafolgenforschung tätig sind, ausgerichtet.

Thema der Tagung war der Klimawandel und so gab es Vorträge und Poster zu den Themenfeldern „Klimawandel – global bis lokal“, „Klimafolgen – regional und lokal“, „Klimaanpassung und Mitigation – Climate Smart“ sowie „Klimakommunikation – Mediale Diskurse und Öffentlichkeit“. Die geladenen Vorträge von Jochem Marotzke (MPI für Meteorologie), Christoph Raible (Universität Bern), Grit Martinez (University of Maryland) und Wolfram Mauser (Universität München) gaben einen Überblick über den aktuellen Stand der Forschung zum Klimawandel und seinen Folgen.

Im Themenfeld „Klimafolgen – regional und lokal“ zeigte die BAW in einem Vortrag und auf zwei Postern Ergebnisse aus den Forschungsvorhaben KLIMZUG-Nord und KLIWAS (siehe KLIWAS – Abschlussbericht) zu den Auswirkungen des Klimawandels für die Ästuare von Elbe, Jade-Weser und Ems. So hatten die Mitarbeiterinnen der BAW die Gelegenheit, Auswirkungen eines Klimawandels für die Bundeswasserstraßen sowie Anpassungsoptionen an einen Klimawandel einem breiten Publikum aus Meteorologie, Ozeanographie oder den Sozialwissenschaften vorzustellen.

Poster

Zum Abschluss der Veranstaltung stellte das Deutsche Klima-Konsortium (DKK) sein aktuelles Positionspapier zu den Perspektiven für die Klimaforschung 2015 bis 2025 vor.

Auch das Rahmenprogram dieser Tagung wird in Erinnerung bleiben. Im Kontrast zum modernen Gebäude der HCU in der HafenCity fand das Jubiläumsdinner der 10. Deutschen Klimatagung in der Handwerkskammer, einem 100 Jahre alten Fritz-Schumacher-Bau, am Holstenwall statt. Zum 10. Jubiläum gab es natürlich auch eine Geburtstagstorte, die Hans Graf und Hans von Storch anschneiden durften!

Geburtstagstorte

Die Fotos wurden freundlicherweise vom Veranstalter der 10. DKT 2015, DMG und KlimaCampus Hamburg, zur Verfügung gestellt.

 

 

 

 

 

Verfasst von Elisabeth Rudolph

Dipl. Meteorologin, seit 1994 bei der BAW angestellt. Sie untersucht Sturmfluten in den Ästuaren von Elbe, Jade-Weser und Ems.

Nachgefragt: Modellierung von Morphodynamik

Ich habe mich mit Frau Dr. Zorndt über das Thema „Modellierung von Morphodynamik“ unterhalten. Frau Dr. Zorndt hat an der Leibnitz Universität Hannover Bauingenieurwesen studiert und anschließend am Franzius-Institut für Wasserbau, Ästuar- und Küsteningenieurwesen promoviert. Seit 2014 ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin der Abteilung Wasserbau im Küstenbereich der Bundesanstalt für Wasserbau. Dort beschäftigt sie sich unter anderem mit der Morphodynamik der Weser.

Klöpper: Frau Dr. Zorndt, Sie waren Ende September auf dem internationalen Workshop Morphodynamics 2015 an der TU Hamburg-Harburg. Was versteht man unter Morphodynamik?

Zorndt: Der Begriff Morphologie bedeutet allgemein die Lehre der Gestalt. Die Morphodynamik beschreibt die Änderung der Morphologie im Laufe der Zeit. Im Wasserbau oder Küsteningenieurwesen ist überwiegend die Geomorphologie gemeint. In Tideflüssen besteht das Gewässerbett überwiegend aus sandigem Material, manchmal auch aus feinkörnigeren Schluffen. Veränderungen des Gewässerbettes durch Erosion oder Sedimentation werden durch Tideströmungen und Seegang induziert. Über lange Zeiträume kann man in der Natur die Verlagerung von Prielen und Rinnen beobachten – ein Resultat des Sedimenttransports.

Klöpper: Sie verstehen sich als Küsteningenieurin. Der Workshop, auf dem Sie waren, wurde aber vom Institut für Geotechnik und Baubetrieb der TUHH organisiert. Sind das nicht ganz unterschiedliche Disziplinen?

Zorndt: Im Küsteningenieurwesen kommt überwiegend die prozessbasierte morphodynamische Modellierung zum Einsatz. Im Workshop ging es darum, welche Erkenntnisse oder Methoden aus dem Bereich der Geotechnik gewonnen werden können, um die Konzepte oder Parametrisierungen des Sedimenttransports in morphdynamischen Modellen zu verbessern.

Klöpper: Was ist prozessbasierte morphodynamische Modellierung?

Zorndt: Es ist eine Methode, morphodynamische Prozesse zu simulieren. Mit Hilfe eines mathematischen Verfahrens werden Hydrodynamik und Transportprozesse (z.B. von Sedimenten) berechnet. Daraus ergibt sich die morphologische Änderung im Untersuchungsgebiet. Wir betrachten hierbei jedoch nicht einzelne Sandkörner, sondern ein vereinfachtes Ersatzsystem, nämlich einen Bodenkörper, der aus bestimmten Sedimentfraktionen zusammengesetzt ist. Unsere Sedimenttransportformeln werden dann für jede dieser Fraktionen gelöst. Hierbei parametrisieren wir den Beginn der Sedimentbewegung mit Hilfe der Bodenschubspannung. Erst beim Überschreiten einer kritischen Schubspannung beginnt die Bewegung der Sedimente. Für unsere großen Untersuchungsräume (100e von Quadratkilometern) und oft langen Simulationsdauern (Wochen bis Monate) ist das ein geeigneter Modellansatz. Es ist jedoch eine starke Vereinfachung der natürlichen Prozesse, bei der die Bewegung des einzelnen Sandkorns nur parametrisiert wird. Die Wahl des Modellaufbaus und der einzelnen Komponenten ist dabei immer von der Fragestellung abhängig, denn ein Modellsetup, das für alle Raum- und Zeitskalen geeignet ist, gibt es nicht.

Klöpper: Wo kann ich dann nachlesen, was dem aktuellen Stand der Technik oder Wissenschaft in der morphodynamischen Modellierung entspricht?

Zorndt: Das ist eine Frage, die auch auf dem Workshop thematisiert wurde. Denn ein Merkblatt oder eine Richtlinie, wie es sie in anderen Bereichen gibt, haben wir nicht. Die Entwicklung eines solchen Dokuments wurde auf dem Workshop diskutiert.

Klöpper: Verwenden die Geotechniker auch die prozessbasierte morphodynamische Modellierung?

Zorndt: In der Geotechnik werden zurzeit Methoden weiter entwickelt und angewendet, die tatsächlich die Bewegung von einzelnen Partikeln beschreiben, wie zum Beispiel Smoothed Particle Hydrodynamics, die Discrete Element Method oder die Material Point Method. Die Physik der Sedimentbewegung kann mit Hilfe dieser Methoden komplexer abgebildet und höher aufgelöst betrachtet werden. Damit werden Prozesse betrachtet, die wir in unseren Modellen nicht abbilden können. Allerding können mit solchen Modellansätzen nur sehr kleine Raum- und Zeitskalen betrachtet werden.

Klöpper: Das bedeutet, man müsste einen Weg finden die verschiedenen Modellansätze miteinander zu verbinden?

Zorndt: Viele Prozesse, nehmen wir nur mal den Porenüberdruck im Boden, der zu Sedimentbewegung führt, können wir mit Hilfe der heutigen Sedimenttransportformeln nicht berücksichtigen. Für die Morphodynamik können diese Prozesse aber durchaus wichtig sein. Das sehen wir z.B. beim schiffserzeugten Sedimenttransport oder dem Einfluss von Seegang auf Wattflächen. Ein Ziel des Workshops war es daher zu diskutieren, wie man die oben genannten Methoden der Geotechnik nutzen kann, um diese Prozesse in unseren Modellen zu beschreiben oder parametrisieren.

Klöpper: Und was haben Sie aus dem Workshop mitgenommen?

Zorndt: Im Workshop konnten wir die Zusammenführung der Methoden nur oberflächlich andiskutieren. Aber dieser interdisziplinäre Austausch ist wichtig. Bei der BAW wird dieser Austausch hausintern schon länger gepflegt, da hier beide Fachdisziplinen (Geotechnik und Wasserbau) unter einem Dach sitzen und eng zusammen arbeiten. Das Thema ist auch nicht neu, die BAW unterhält bereits Forschungs- und Entwicklungskooperationen mit Geotechnikinstituten der Universitäten. Bis zur ersten Umsetzung wird es aber sicherlich noch einiges an Forschungs- und Entwicklungsarbeit benötigen.

Klöpper: Herzlichen Dank Frau Dr. Zorndt für diese Einblicke.

Verfasst von Morten Klöpper

Als wissenschaftlicher Angestellter im Bereich Wasserbau im Küstenbereich untersuche ich die deutschen Ästuare und Küstengewässer und nutze dabei überwiegend hydrodynamisch numerische Modelle.

Die BAW beim Wissenschaftsfestival EFFEKTE 2015

„Zukunft der Stadt – Stadt der Zukunft“ – unter diesem Motto feierte Karlsruhe diesen Sommer den 300. Stadtgeburtstag. Wie bereits 2013 zeigten die Wissenschaftseinrichtungen bei verschiedensten Veranstaltungen, weshalb der Bereich Technologie und Wissenschaft eine besondere Stärke der Stadt darstellt.

Am Wochenende des 27. und 28. Juni 2015 verwandelte EFFEKTE den Schlossgarten in ein riesiges Mitmach- und Erlebnislabor, bei dem alle wissbegierigen Besucher bei verschiedenen Live Experimenten, Wissenschaftsshows sowie einem vielfältigen Bühnenprogramm auf ihre Kosten kamen. Die BAW stellte ihr Aufgabengebiet am 28. Juni von 10 bis 18 Uhr unter dem Motto „Wasserbau zum Anfassen“ in einem großen Pavillonzelt vor. Engagierte Kolleginnen und Kollegen demonstrierten dort anhand verschiedener Exponate Ausschnitte ihrer jeweiligen Arbeitsbereiche.

Als einer der wissenschaftlichen Partner der Stadt Karlsruhe hat die BAW darüber hinaus am 14. Juli einen Vortragsabend mit dem Titel „Auf Tullas Spuren in die Zukunft“ im Pavillon im Schlossgarten gestaltet. Das Thema: „Tullas Rheinkorrektion – von der Historie zur Neuzeit“.
Gemeinsam mit dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT), der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz (LUBW) und der Energie Baden-Württemberg AG (EnBW) zeigte die BAW in Vorträgen, Experimenten und in einer Podiumsdiskussion, wie Nutzung und Gewässerschutz in Einklang gebracht werden sollen. Hanna Sophie Lüke vom WDR übernahm die Moderation des gelungenen Abends.

Norbert Käthler, Geschäftsführer der Stadtmarketing Karlsruhe GmbH resümiert: „Wissenschaft findet schon lange nicht mehr im Elfenbeinturm statt, sondern muss sich der öffentlichen Diskussion stellen. Deshalb freut es mich, dass unsere Partner aus der Wissenschaft ihre aktuellen Forschungsergebnisse im Pavillon präsentiert haben.“

Wir waren sehr gerne dabei!

Verfasst von Sabine Johnson

Meine Aufgaben liegen im Bereich der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit.

Notankerung der „YM WISH“ am 31.7.2015 aus Sicht der AIS Daten

„Riesen-Containerschiff läuft auf Grund der Elbe“, so titelte die Online Regionalausgabe der Zeitung „Die Welt“ am 31.7.2015. Weitaus weniger dramatisch liest sich die Überschrift im Portal des Hafen Hamburg Marketing: „Neubau YM WISH nach Maschinenausfall sicher vor Wischhafen geankert“

Was war passiert: Der 368 m lange und 51 m breite Containerfrachter war am Morgen des 31.7.2015 gegen 5:00 vom Tollerort Terminal Richtung Nordsee ausgelaufen, als gegen 7:05 bei Tonne 96 (querab Pagensand) die Maschine ausfiel. Dies legen jedenfalls die Informationen aus den bei der BAW-DH aufgezeichneten AIS-Daten nahe. Von dem Moment an wurde das Schiff stetig langsamer, bis es 13,5 km weiter stromab gegen 08:30 nördlich von Tonne 80 zum Stehen kam und der Anker geworfen wurde. Laut Zeitungsberichten wurde das Schiff dabei mit der letzten Fahrt in die Unterwasserböschung gefahren und so auf Grund gesetzt. Das lokale Niedrigwasser war 2 Stunden später, so dass durch diese Maßnahme vermutlich das Querschlagen des Schiffes in der Fahrrinne verhindert wurde. Diese Gefahr bestand nämlich dadurch, dass die zu der Zeit noch herrschende Ebbeströmung das Schiff von achtern anströmte. Wenn man nur den Anker geworfen hätte, hätte sich das Schiff unter dem Einfluss der Strömung um den Anker drehen wollen und hätte dann das Fahrwasser blockiert. An dieser Stelle ist die Fahrrinne nur knapp über 300 m breit, so dass das Schiff mit einer Länge von 368 m mit dem Vorschiff auf der Schleswig-Holsteinischen Seite, mit dem Achterschiff auf der Niedersächsischen Seite festgelegen hätte. Alle ein- oder auslaufenden großen Schiffe hätten das Problem gehabt, dass sie irgendwo hätten sicher warten müssen, was eventuell nicht möglich gewesen wäre.

YM-WISH_2

Man muss den Nautikern des Schiffes und den Lotsen zu diesem umsichtigen Handeln gratulieren. Durch das kontrollierte Aufgrundsetzen konnte das Schiff bis zum Eintreffen der Schlepper stabilisiert werden. Gegen 11:20 fingen die Schlepper laut AIS Daten an, das Schiff wieder in die Fahrrinne zu ziehen, wo sie es dann bis zum Elbe-Hafen in Brunsbüttel schleppten. Dort endete die Fahrt gegen 15:00.

Photos der Aktion findet man hier: http://www.shipwrecklog.com/log/2015/07/ym-wish und hier: http://nok-schiffsbilder.de/modules/myalbum/photo.php?lid=58360

Verfasst von Marcus J. Boehlich

Dipl. Ozeanograph, seit 1987 bei der BAW angestellt. Vorzugsweise mit der Tidedynamik der Elbe sowie mit Geodaten beschäftigt.

Die BAW beim StadtwerkeCup 2015

Am 26. Juni 2015 fand im Karlsruhe Rheinhafen das alljährliche Hafenkulturfest statt. Teil des Hafenkulturfests ist der StadtwerkeCup, ein Paddelwettbewerb für Amateure. Gepaddelt wurde in 6er Kanadiern über eine Strecke von 300 m, entweder in der offenen Klasse oder in einem reinen Damenteam.

Zur Vorbereitung bestand die Möglichkeit eine Woche vor dem Hafenkulturfest eine Trainingseinheit auf dem Altrhein zu absolvieren. Einige der Teammitglieder saßen zum ersten Mal in einem Kanadier und hatten noch nie zuvor ein Paddel geschwungen (wie zum Beispiel ich selbst!). Die Trainingseinheit bestand aus einer 30-minütigen Ausfahrt mit einem „Rheinbruder“ (Mitglied des Kanuvereins „Rheinbrüder Karlsruhe e.V.“). Schon in den ersten fünf Minuten des Trainings wurde klar, dass so ein Kanadier eine wackelige Angelegenheit ist und das Boot schnell anfängt von einer Seite auf die andere zu schaukeln, wenn nicht alle sechs Paddler im gleichen Takt paddeln. Geübt wurden hauptsächlich Starts, fünf schnelle kurze Schläge, um in Fahrt zu kommen und dann weiter mit kräftigen langen Zügen, um ­– so hatten wir das geplant – die Konkurrenz hinter uns zu lassen. Während dem Training wollten wir wenigstens einmal zur Probe unser geplantes Renntempo anschlagen, merkten aber bereits nach 150 m, dass wir unsere Kräfte sehr optimistisch eingeschätzt hatten.

Das Herrenteam der BAW im "dunkel BlAuen Wunder"

Das Herrenteam der BAW im „dunkel BlAuen Wunder“

 Beim StadtwerkeCup war die BAW mit 20 Teilnehmern bzw. drei Teams vertreten: „hellBlAues Wunder“, „BlAues Wunder“ und „dunkelBlAues Wunder“. Im „dunkelBlAuen Wunder“ konnten sich die Herren im ersten Durchlauf unter Aufbringung sämtlicher Reserven (siehe Bild) den ersten von sechs Plätzen sichern. Trotz vollem Einsatz aller Teammitglieder gelang der Einzug ins Finale im folgenden Zwischenlauf leider nicht. Die Damenmannschaft der BAW im BlAuen Wunder setzte sich gegen die starke Konkurrenz durch und erpaddelte sich den 3. Platz in der Damenwertung. Nochmal Glückwünsche an dieser Stelle.

Startaufstellung zum Zwischenlauf des Herrenteams

Abschließend lässt sich sagen, dass sich durch die große abteilungsübergreifende Teilnahme eine sehr gute Gelegenheit bot neue oder bisher unbekannte Gesichter kennen zu lernen, mit denen man fachlich bisher noch keine Berührungspunkte hatte. Beim gegenseitigen Anfeuern und Verfolgen eines gemeinsamen Ziels zeigte sich der in der BAW herrschende große Teamgeist.

BAW-Teilnehmer des StadtwerkeCups

BAW-Teilnehmer des StadtwerkeCups

Habt Ihr auch Comics oder die Frage „Können Fische Treppen steigen?“

Als Intro die Verkehrswasserbauliche Zentralbibliothek erstmals in das Blog einzubringen, möchte ich mit einer kleinen Anekdote starten.

Vor kurzem versuchte ich unserem 8-jährigen Nachbarskind zu erklären, wo ich arbeite. Was die Bundesanstalt für Wasserbau für Aufgaben hat und wie mein Arbeitsfeld die Bibliothek, in diesen Zusammenhang passt.

Die erste Frage, ob unsere Bibliothek auch Comics sammelt, musste ich verneinen – kurzer enttäuschter Blick des Jungen. Ich fuhr fort: „…….aber wir haben Literatur zu Schiffsschleusen“. <Öhm……>. „Zu Staudämmen“. <Ähm…>.  Die weitere Aufzählung einiger Fachgebiete schien zu abstrakt, bis ich das Ass aus dem Ärmel zog: “ …wir haben auch Literatur zu Fischtreppen!“  Volltreffer, versenkt.

Sofort kam aufgeregt seine Frage: „Können Fische Treppen steigen?“  „Und andernorts den Lift nehmen?“ legte ich nach…..die Steilvorlage bot sich an.

„Ja, sie können speziell für sie gebaute Konstruktionen durchschwimmen, sich „bergauf“ bewegen als würden sie eine Treppe nehmen. Die Fische müssen die Fischtreppe finden und die Abmessungen, die Positionierung im Fluss, die Gestaltung des Bauwerks muss passen – „so wie auch Treppenstufen in unseren Häusern nicht zu hoch sein sollten“ erklärte ich weiter.

Das fand er alles hoch interessant. „Und dazu muss man Bücher lesen?“  Ich erzählte ihm von Forschung und von Versuchen, von der Zusammenarbeit der BAW mit anderen Institutionen…. und dass die BAW dazu auch selbst „Bücher“ und Aufsätze schreibt.

Liebe(r) Blogleser/in, in diese Anekdote eingebettet, kann ich Sie auf unser „neues Buch“ zu diesem Thema hinweisen. Seit gestern ist folgende Publikation als Regelwerk online verfügbar:

Bundesanstalt für Wasserbau / Bundesanstalt für Gewässerkunde (Hrsg.): Arbeitshilfe Fischaufstiegsanlagen an Bundeswasserstraßen (Ausgabe 2015)

Auf den BAW-Internetseiten finden Sie u.a. hier weitere Hintergrundinfos: http://www.baw.de/DE/service_wissen/projekte/projekte.html?id=5640

Für heute werde ich mich in ein sonniges Wochenende verabschieden. Sehen Sie mir den „noch wenig designten“ Blogbeitrag nach, es ist mein erster überhaupt.

In den kommenden Beiträgen möchte ich Sie ein wenig in die Welt der Verkehrswasserbaulichen Zentralbibliothek mitnehmen. Ihnen von unserem Dienstleistungsspektrum erzählen. Informative Kurzbeiträge liefern und wo es sich ergibt auch heitere Geschichten aus unserem Bibliotheksalltag erzählen.


 

				
				
							

Die BAW ist „Emsig“ am Messen – Erste Eindrücke vom Messprogramm Ems 2015

Nach monatelangen Planungen startete am Sonntag den 28.06.2015 das groß angelegte Messprogramm der BAW auf der Ems. Bei der einwöchigen Kampagne werden abiotische Parameter wie z.B. Strömungsgeschwindigkeit und -verteilung (ADCP), Salz- (CTD) und Schwebstoffgehalt (ADCP und Wasserproben) gemessen. Mit der Kampagne werden zweierlei Ziele verfolgt. Übergeordnetes Ziel ist eine zusätzliche Validierungsgrundlage für den Aufbau des neuen hydrodynamisch numerischen Emsmodells zu schaffen. Das numerische Modell stellt ein zentrales Werkzeug für die Beratung der WSV und für die Ressortforschung der BAW dar. Des Weiteren werden die erhobenen Daten dabei helfen, das grundlegende Zusammenwirken der komplexen abiotischen Prozesse im System Ems besser zu verstehen. Dieses Verständnis ist immanent um schlussendlich geeignete Maßnahmen zur Verbesserung des Systemzustandes der Ems entwickeln zu können. Eine zentrale Fragestellung ist hierbei, wie weit das Salz in Abhängigkeit vom Oberwasserabfluss in die Ems vordringt. Wie verhält sich beispielsweise der vertikale Salzgradient in Gebieten mit ausgeprägter fluid-mud Dynamik? Ein weiteres Augenmerk liegt auf dem sich verändernden hydraulisch wirksamen Querschnitt im Verlauf der Tide in den Bereichen mit fluid-mud.

 

Ausgeprägte fluid-mud Schicht (Pfeile) im SES am Querprofil Weener

Ausgeprägte fluid-mud Schicht (Pfeile) im SES am Querprofil Weener

Die BAW führt die Messkampagne in Kooperation mit dem langjährigen niederländischen Partner Aqua Vision BV durch. Drei Messboote sind dabei zeitgleich im Einsatz. Im Zweischichtsystem werden acht Ganztidenmessungen über einen Zeitraum von jeweils 13 Stunden auf Querprofilen durchgeführt. Das Querprofil bei Gandersum dient dabei als Referenzprofil. Zeitgleich zu den Messungen an den Querprofilen Pogum, Jemgum, Weener und Rhede werden jeweils Referenzmessungen bei Gandersum durchgeführt. Durch die zeitgleiche Messung lassen sich residuelle Transporte nicht nur über einen Querschnitt, sondern auch über Flussabschnitte bilanzieren. Um das Eindringen der Salzfront in das Ästuar zu erfassen, werden an anderen Tagen mit zwei Schiffen rotierende Längsprofile gefahren. Damit kann die Änderung des vertikalen Salzgradienten über den Tideverlauf nachvollzogen werden. Die Konzeption der Messung ist damit genau auf die Anforderungen der BAW ausgelegt. Allerding ist damit auch ein hoher logistischer und personeller Aufwand verbunden. Der Einsatz von Material und Personal muss daher vorab minutiös durchgeplant werden.

ADCP-, CTD- und SES-Daten

Die ADCP-, CTD- und SES-Daten laufen beim Operator zusammen.

Als sich am Vorabend des ersten Messtages die Besatzungen der drei Messboote kurz vor Mitternacht im Hauptquartier im Deichof bei Leer (Ostrfriesland) versammelt, wird schnell klar, dass die beste und akribischste Planung durch das Unplanmäßige vor Ort beschränkt ist. Nach zwei Tagen des Aufbaus und der Probemessungen funktionierte nicht alles, was im heimischen Labor noch reibungslos klappte. Gegen kurz nach drei Uhr am Sonntagmorgen startete der erste Trupp, um die Messkampagne zu eröffnen. Widrigkeiten wie nicht anspringende Autos, Straßensperrungen und die Verwechslung zwischen Fahrt-über-Grund und Fahrt-im-Wasser torpedieren den Zeitplan schon bevor der Messquerschnitt erreicht wird. Die besonderen Verhältnisse im Ästuar Ems, mit extrem hohen Schwebstoffkonzentrationen fordern die Messtechnik bis in den Grenzbereich.

extreme Schwebstoffkonzentration

Die extreme Schwebstoffkonzentration lässt sich schon optisch erkennen.

Am Ende zahlen sich das Knowhow und die Erfahrung der Kollegen jedoch aus. Im Verlauf der ersten Stunden der Kampagne laufen dann alle Systeme einwandfrei. Dank hoher Flexibilität, großem persönlichen Einsatz und guter Planung läuft die Messkampagne mittlerweile planmäßig. Gemessen wird noch bis zum Samstag den 04.07.2015.

Messgeräte an Bord

CTD, Trübungssensor und direkt befestigter Entnahmeschlauch (links), rechts die Steuerungseinheit mit Pumpe zur automatisierten Wasserprobenentnahme

 

Verfasst von Morten Klöpper

Als wissenschaftlicher Angestellter im Bereich Wasserbau im Küstenbereich untersuche ich die deutschen Ästuare und Küstengewässer und nutze dabei überwiegend hydrodynamisch numerische Modelle.