Praktikum an der BAW

Hallo. Mein Name ist Greta und ich studiere im 5. Semester Jura in Leipzig. Aktuell absolviere ich ein Praktikum an der BAW in Karlsruhe in der Verwaltungsabteilung Z1.

Das Jurastudium ist ein sehr arbeitsintensives und nervenaufreibendes Studium, aber es kann auch sehr Spaß machen, wenn man es richtig macht. Leipzig ist eine sehr schöne Stadt und entspricht so überhaupt nicht dem Klischee, das man von einer Oststadt hat. Wer möchte etwa nicht, wie Goethe schon zuvor, Jura in Leipzig studieren? Bei einem Bier im Auerbach´s Keller soll er gesagt haben: „Mein Leipzig lob ich mir. Es ist ein Kleinparis“. Heute hat es eher den Ruf ein Kleinberlin zu sein und stellenweise fühlt es sich dort tatsächlich auch so an. Aber egal, ob Kleinparis oder Kleinberlin, Leipzig ist wunderbar.

Das Praktikum an der BAW ist Teil meines Pflichtpraktikums, das ich im Rahmen meines Jurastudiums vorweisen muss. 90 Tage müssen es insgesamt sein, wovon ich 60 bereits beim Landgericht und der Staatsanwaltschaft in Leipzig absolvierte. Dieses Mal sollte es aber ein verwaltungsrechtliches Praktikum sein. Sie müssen wissen, Verwaltungsrecht gehört bei Studenten nicht zu den populärsten Rechtsgebieten. Die breite Masse meines Studiengangs würde wohl die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, würde ich ihnen erzählen, dass ich den letzten Teil meines Pflichtpraktikums in einer Verwaltung verbringe. Mit Grauen erinnere ich mich an die einschläfernden Verwaltungsrechtsvorlesungen zurück, von denen ich, wie ich leider zugeben muss, gerade mal zwei besucht habe. Es gibt nun mal spannenderes, als sich darüber den Kopf zu zerbrechen, ob die Erteilung von Hausverbot an einen aufmüpfigen Schüler nun einen Verwaltungsakt darstellt oder nicht. Mord oder Raubüberfälle zum Beispiel. Und so ist man natürlich gespannt, was einen so in vier Wochen Praktikum in einer Bundesbehörde erwarten wird.

Aber mich erwartete kein langweiliges Verwaltungsrecht, wie ich es aus der Universität kannte, sondern Bereiche des Rechts, mit denen ich vorher noch nie in Kontakt gekommen war. Vor meinem Praktikum an der BAW war mir nicht bewusst, wie vielseitig Verwaltung sein kann und für wie viel eine Verwaltung letztendlich tatsächlich alles zuständig ist. Ich durfte überall mal ein bisschen reinschauen. So habe ich Vergaberecht, Urheberrecht, große Kooperationsverträge, die verschiedenen Statusgruppen und deren Bedeutung im arbeitsrechtlichen Kontext, Internetimpressen und Datenschutz, das Schreiben von Vermerken, Öffentlichkeitsarbeit und sogar Steuerrechtliches im Bereich Mehrwertsteuer kennengelernt. Und das alles nur in vier Wochen.

Besonders das Vergaberecht ist etwas, was ich so in meinem Studium noch nicht kennengelernt habe. Eigentlich erscheint es logisch, dass Beschaffungen der öffentlichen Hand an mehr Bedingungen geknüpft sein müssen, als an die üblichen Bedingungen beispielsweise eines Auftrags. Anders als private Auftraggeber, können öffentliche Auftraggeber nicht einfach so Aufträge erteilen. Er kann zwar über das „ob“ und „was“ entscheiden. Aber „wie“ er es beschaffen muss, ist sehr detailliert geregelt. Und genau um dieses „wie“ geht es beim Vergaberecht. Es legt dem Staat und seinen Untergliederungen sehr viele Pflichten auf, bei denen man sich auf den ersten Blick wundert, wie diese überhaupt alle eingehalten werden sollen. Aber genau für solche Dinge gibt es ja schließlich Juristen.

Ungefähr genauso kompliziert sind mittlerweile die Datenschutzverordnungen und Telemediengesetze geworden. Um es pauschal auszudrücken: Grundsätzlich muss über alles aufgeklärt werden. Welche Daten werden warum und wie lange und wo gespeichert. Wer ist mein Ansprechpartner für folgende Probleme und was sind meine Rechte. Im Prinzip eine gute Sache, aber gleichzeitig auch wieder sehr viel, was übersehen, falsch gemacht und gerügt werden kann. Aber irgendwo hat jeder Berufszweig ja auch seine Daseinsberechtigung.

Hätte ich von Anfang an gewusst, wie vielseitig Verwaltung sein kann, hätte ich vielleicht doch die eine oder andere Verwaltungsrechtvorlesung mehr besucht. Wobei dazu gesagt werden muss, dass ich von dem universitären Stoff an der BAW nur einen Teil gebraucht habe. Viele Verwaltungen werden also nicht nur auf klassisch verwaltungsrechtliche Weise tätig, sondern kümmern sich noch um vieles mehr. Es kann also gut sein, dass man sich am Ende vermeintlich in eine ganz andere Richtung spezialisiert und am Ende dann doch in einer Verwaltung landet. Aber wie ich jetzt am eigenen Leib erfahren durfte, bietet die praktische Arbeit in der Verwaltung auch für einen Juristen viele interessante Facetten, so dass einem sicher nicht langweilig wird. Dabei ist anzumerken, dass meine spannenden Einblicke in die praktische Verwaltungstätigkeit sicher durch die intensive Betreuung meines Praktikums begünstigt wurden. Dafür möchte ich allen Beteiligten herzlich danken. Ich werde die lustigen Gespräche in der Kaffee- und Mittagspause vermissen. Und wer weiß. Vielleicht komme ich ja mal wieder.

Verfasst von Greta Lensing

Ich studiere Jura und durfte an der BAW einen Teil meines Pflichtpraktikums absolvieren.

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