Wir gratulieren Lisa Scharf sehr herzlich zur erfolgreichen Verteidigung ihrer Doktorarbeit „Prozessbezogene Klimaanpassung der Binnenwasserstraßen in Deutschland“!
Lisa wird um- und angetrieben vom Wunsch, bei der Anpassung an den Klimawandel vom Denken zum Handeln zu kommen. Am Beispiel der Wasserstraßen hat sie dies über einen Brückenschlag zwischen theoretischen Konzepten der Klimawirkungsketten und praxistauglicher Information erreicht.
Zu Beginn von Lisas Tätigkeit an der BAW im Juni 2022 war dies noch nicht abzusehen: Zunächst galt es, sich einerseits im Rahmen des BAW-FuE-Projektes „Klimawirkungsanalyse für die Binnenwasserstraße“ mit dem durchaus auch mal recht komplexen System Wasserstraße bekannt zu machen, und sich gleichzeitig im rahmengebenden BMV Forschungsnetzwerk in seiner Vielfalt an Ressortforschungseinrichtungen und Querschnittsthemen zu orientieren.
Recht bald aber wollte Lisa noch mehr und nahm sich durch ihr Promotionsprojekt zu der Idee in die Pflicht, das an der BAW in vielen Köpfen verteilte, sich teils überschneidende, teils ergänzende Wissen zusammenzutragen, zu strukturieren, und so aufzubereiten, dass es u. a. der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung bei der Klärung hauptsächlich folgender Fragen hilft: Welche Prozesse im System Binnenwasserstraße werden durch klimatische Veränderungen beeinflusst oder angestoßen? Welche Infrastrukturelemente der Binnenwasserstraßen sind potentiell von diesen Prozessen betroffen? Welche entsprechenden verkehrswasserbaulichen Anpassungsoptionen können erarbeitet werden?
So ging denn die frisch gebackene Geographin Lisa zunächst im BAW-Referat Flussbau und zunehmend auch in anderen Referaten und Abteilungen auf das zum Teil langjährigst erfahrene Ingenieurs-Kollegium zu oder – je nach Perspektive – los, um in vielfältigen Diskussionen Fachwissen, Erfahrungswerte, Möglichkeiten zu sammeln. Dies war aber nur der erste Schritt, denn die gewonnenen Informationen sind so vielfältig wie die Themen und die befragten Personen. Der größere Aufwand entstand also „hinter den Kulissen“: Es galt, die Informationen nach dem Sammeln aufzubereiten, zu sortieren, zu kategorisieren und, vor allem, einen passenden Rahmen für die Informationen zu schaffen. Dieser konzeptionelle Rahmen entwickelte sich im stetigen Wechselspiel mit der Informationsgewinnung und Informationsverarbeitung, was insgesamt in einer eigenen Ausprägung und Struktur von Klimawirkungsketten sowie einem Portfolio bestehend aus gut 100 Klimawirkungsketten mündete. Über den Spagat zwischen naturwissenschaftlich-ingenieurstechnischen Inhalten und konzeptioneller Gedankenarbeit hinaus stürzte sich Lisa auch in IT-technische Fragestellungen, um sowohl die Struktur der Klimawirkungsketten als auch die Wirkungsketten an sich mit all ihren vielfältigen Verknüpfungen in einer Wissensdatenbank abbilden zu können. In Summe entstand ein prototypisches Infosystem, welches aufzeigt, wie ein praxisorientierter Zugriff auf das Klimawirkungsketten-Portfolio aussehen kann.

Als Übersetzerin und Vernetzerin zwischen sehr unterschiedlichen Denkwelten war auch Lisas Kommunikationstalent stark gefordert: Eher quantitativ orientierten Umfeldern den Wert qualitativer Arbeitsweisen und Inhalte zu vermitteln, war eine immer wiederkehrende Aufgabe. Es bestand bei Lisa auch keine Diskussionsscheu: Neue Impulse zu geben und zu bekommen, Ergebnisse mit den Bedarfen der Praxis abzugleichen, Ideen im wissenschaftlichen Umfeld zu präsentieren, all das erfolgte über stetigen und regen Austausch in der BAW, mit der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung, den weiteren beteiligten Verkehrsträgern und Ressortforschungseinrichtungen des BMV-Forschungsnetzwerks, aber auch weiter gefasst z. B. mit der International Navigation Association (PIANC), dem Forschungszentrum eurac, der TU Delft, etc. pp. Die Spannbreite von Lisas Arbeit spiegelt sich auch im Gremium der Verteidigung ihrer Arbeit wider, bestehend aus Prof. Dr. Heiko Paeth (Klimatologie, Uni Würzburg), Prof. Dr.-Ing. Nils Peter Huber (Verkehrswasserbau, BAW und RWTH Aachen), Prof. Dr. Jürgen Rauh (Sozialgeographie, Uni Würzburg), sowie Prof. Dr. Andrea Stahl (Vorsitz der Disputation).
Nochmal also Glückwunsch, Lisa, und herzlichen Dank für die sehr wertvolle (und auch vom Promotionsgremium als sehr gut bewertete) Arbeit! Wir werden unser Bestes versuchen, die Arbeit angemessen weiterzuführen und die Ergebnisse zur Anwendung zu bringen. Alles erdenklich Gute für die Zukunft, vielen herzlichen Dank für die vielen intensiven Diskussionen und das Vorantreiben des Themas, und: Bon voyage, à la prochaine!

Dank fürs Mitschreiben und Gegenlesen geht an Regina Patzwahl!
Verfasst von Martin Hämmerle
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