IAHR Europe Congress 2026 in Luleå, Schweden

Vom 9. bis 12. Juni fand der 9th IAHR Europe Congress unter dem Motto „Innovating Hydro-Environment Engineering for a Sustainable Future: Arctic Waters and Beyond“ in Luleå in Nordschweden statt. Bereits der Titel der Konferenz verweist auf die besondere Umgebung, in der sie stattfand: eine Region geprägt von weiten Landschaften, unzähligen Seen, mächtigen Flusssystemen, der Nähe zur Ostsee und vor allem dem arktischen Klima. Wasser ist hier allgegenwärtig, dessen Nutzung und dadurch entstehende Herausforderungen für den Wasserbau deswegen teilweise ganz andere, aber in manchen Aspekten auch überraschend vergleichbar wie in Mitteleuropa.

Ausgerichtet und hervorragend organisiert wurde die Konferenz in diesem Jahr von der Luleå University of Technology. Tagungsstätte war das sehr schöne Kulturens hus im Herzen von Luleå, das mit seiner Lage am Wasser und seiner modernen Architektur einen passenden Rahmen für den internationalen Austausch bot. Gemeinsam mit vier weiteren Kollegen der BAW war ich vor Ort vertreten und konnte sowohl meine eigene Arbeit zur numerischen Simulation des Fischabstiegs an Schlauchwehren vorstellen als auch vielfältige Eindrücke aus der internationalen Fachcommunity mitnehmen.

Aus der BAW nahmen neben mir Roman Weichert mit dem Beitrag „Implementing Fishway Research into Practice: on the Consequences of Simplified Relationships in Design Guidelines“, Carsten Thorenz mit dem Thema „Numerical Evaluation of Air Entrainment Processes in a Navigation Lock with Long Culverts and Water Saving Basins by Using a Sub-Grid Bubble-Transport Model“, Martin Struck mit „Restoring River Training Structures While Maintaining Hydromorphological Diversity: the Reitwein Example at the River Oder“ sowie Kilian Mouris mit „Long-Term Impacts of River Engineering on Riverbed Sediment Composition in the German Lower Rhine“ teil.

Die Konferenz selbst bot ein fachlich sehr breites und hochwertiges Programm mit Teilnehmenden aus 34 Ländern und 190 Fachvorträgen zu vielfältigen Themen des Wasserbaus. Interessante Einblicke boten die Keynotes, die thematisch nochmals über den klassischen Wasserbau hinausreichten und unterschiedliche Perspektiven aus Wissenschaft, Technik und Gesellschaft aufzeigten.

Ein eindrückliches Beispiel war die Situation der Wasserversorgung in Grönland. Trotz der enormen Süßwasserreserven in Form von Eis ist die zuverlässige Versorgung der Bevölkerung mit ausreichend und sauberem Trinkwasser dort keineswegs trivial. Große Distanzen, herausfordernde klimatische Bedingungen und begrenzte Infrastruktur führen dazu, dass selbst grundlegende Versorgungsaufgaben technisch und logistisch anspruchsvoll bleiben und stark an die lokalen Gegebenheiten angepasst werden müssen. Ein weiterer Beitrag zeigte, welche vielseitigen Möglichkeiten aus dem Zusammenspiel von Wasser und porösen Materialien entstehen. Die besonderen Eigenschaften solcher Strukturen eröffnen eine breite Palette an Anwendungsmöglichkeiten, über die noch viel zu wenig bekannt ist. Ein weiterer Beitrag richtete den Blick auf die Rolle der Wasserkraft in der industriellen Entwicklung Nordschwedens. Dabei wurde deutlich, wie stark die Nutzung großer Flusssysteme nicht nur die Energieversorgung geprägt hat, sondern auch Landschaften, Siedlungsstrukturen und die historische Entwicklung der Region beeinflusst hat, welche Möglichkeiten dadurch entstanden sind und was auf der anderen Seite dadurch auch verloren gegangen ist.

Neben dem wissenschaftlichen Programm wurde auch großer Wert auf Austausch und Vernetzung gelegt. Insbesondere für uns Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler gab es ein vielfältiges Angebot: Masterclasses am ersten Konferenztag, eine Young-Professional-Night mit Schifffahrt und anschließendem BBQ auf einer Insel sowie spezielle Sessions zur Karriereentwicklung boten zahlreiche Möglichkeiten für fachlichen und persönlichen Austausch in informeller Atmosphäre.

Ein besonderes Highlight der Konferenz war das Konferenzdinner in außergewöhnlicher Kulisse an den Storforsen-Stromschnellen. Die Kombination aus kraftvoller Natur, Wasser in Bewegung und nordischer Abendstimmung bei bestem Wetter machte diesen Abend zu einem eindrücklichen Erlebnis und unterstrich nochmals die enge Verbindung zwischen Konferenzthema und Umgebung.

Diesen Post abschließend, möchte ich noch von einem persönlichen Höhepunkt der Konferenz berichten. Dies war die Verleihung des Gerhard Jirka Award for Young Researcher, über den ich mich sehr gefreut habe und den ich als große Anerkennung und Motivation für die weitere wissenschaftliche Arbeit empfinde. Damit war der neunte IAHR Europe Congress auch schon abgeschlossen. Die nächste Ausgabe wird 2028 in Sheffield stattfinden.

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