Feb, 2021

Ein Lockdown-Winter im Team des IZW (Informationszentrum Wasserbau) der BAW

Optionen im Februar 2021

Es ist bereits Februar 2021 und das Land steckt wieder in einem Lockdown. Seit März 2020 hat sich auch bei uns im IZW der BAW Karlsruhe einiges verändert. Wie singt Herbert Grönemeyer so schön? „Bleibt alles anders!“

Auch wir, das IZW-Team, haben uns bereits zu Beginn der Pandemie viele Gedanken gemacht, wie wir den Betrieb aufrecht erhalten könnten. Denn eines ist klar: die Nachfrage nach Informationsmaterialien – aktueller wie auch historischer Art – in jeglicher Form (PDF-Dateien, Bücher, Journale, Regelwerke oder diverse Zugangsmöglichkeiten zu Informations-Plattformen etc.) ist nicht abgerissen. Digitale Zugangswege werden im Moment jedoch stark favorisiert.

Informationen sind – besonders im Wirkungskreis der BAW, aber auch außerhalb – so unentbehrlich wie das Amen in der Kirche. Die Bibliothek wird also – auch auf digitalem Weg – weiterhin bei Wünschen und Fragen behilflich sein und steht jeder/m BenutzerIn zur Verfügung. Das ist auch gut so. Wo wir helfen können, versuchen wir alle Wege zu gehen, um an die gewünschte Information zu kommen und das Gewünschte bis ins Büro oder sogar ins Home-Office zu schicken.

Das Betreten der Bibliothek kann also vermieden werden, falls man hier den sichereren Weg gehen möchte. Wer ein Buch ganz schnell braucht, kann genauso gerne einfach im IZW anrufen. In vielen Fällen können Medien dann vor den Türen der Bibliothek – und somit außerhalb – abgeholt werden.

Auch eine Möglichkeit, Bücher kontaktlos bei uns abzuholen

Bei diesem Gedanken spüre auch ich als Mitglied des IZW-Teams und somit der BAW, dass ich ein wichtiges Rädchen im Getriebe eines großen Ganzen bin.  So wird es mir heute an meinem Arbeitsplatz  – trotz Schmuddelwetter draußen – etwas leichter ums Herz. Es ist ein schönes Gefühl, seinen Teil beitragen zu können. Und das trotz erschwerendem Lockdown! Mit neu beschafften Informationen, die wir von hier und aus aller Welt bekommen, können wir gemeinsam effektiv an neuen Ideen und neuen Lösungswegen arbeiten. So auch heute: innerhalb einer Stunde bekommt meine Kollegin 3 Anfragen online, ob sie Aufsätze bzw. wichtige Literatur aus anderen Bibliotheken besorgen könnte. Dank Fernleihe geht die Zusendung der angeforderten PDF-Dateien dann innerhalb eines Tages bei uns ein.

Besonders nun – in Pandemie-Zeiten – versuchen wir Informationsbedürfnisse in kontaktloser Form zu bedienen:

Daher bietet das IZW seit dem Lockdown noch etwas Neues an: Inhaltsverzeichnisse der vorrätigen Zeitschriften können online eingesehen werden.  BAW-Mitarbeiter können daraus nun Artikel bei uns bestellen, ohne in direkten Kontakt mit uns treten zu müssen. Das IZW ist übrigens fortwährend dabei, Lizenzen für Fachzeitschriften-Abonnements zu kaufen, so dass LeserInnen, sobald diese gekauft und eingepflegt wurden, auch auf elektronischem Weg darauf zugreifen können.

Schnelle Informationen verhelfen einem anstehenden Projekt zu schnellerem Fortkommen. 

Trotz Lockdown, kaum persönlichem Kontakt zu Personen und vielen Nachfragen per Telefon & Internet kamen wir im vergangenen Jahr ohne Einschränkungen unserer Service-Leistungen aus. Und hier stellt sich bei mir das Gefühl des Gebrauchtwerdens ein, welches besonders heutzutage sehr guttut und meine Kollegen und mich stets neu motiviert, um unserem Job als Informationsspezialisten an Bord der BAW gerecht werden zu können.

Verfasst von Ruth Schneider

Ich bin seit September 2019 im Team des IZW (Bibliothek) der BAW und bin als Bibliothekarin zuständig für unterschiedliche Bereiche: Katalogisierung, Nutzerbetreuung, Teilbereiche der Öffentlichkeitsarbeit etc.

Auf den Grund gegangen: Zwei Einsätze des Taucherglockenschiffes „Carl Straat“ für die BAW

Das WSV-Taucherglockenschiff (TGS) „Carl Straat“ konnte in der zweiten Jahreshälfte 2020 wieder erfolgreich für BAW-Projekte eingesetzt werden: Im September wurden Vorversuche für eine innovative Methode des Geschiebe-Tracings am Oberrhein durchgeführt, und im November und Dezember erfolgte eine Kampagne zur Sohlprobennahme am Niederrhein. Im Folgenden wird ein kurzer Einblick in die Kampagnen gegeben.

Bei den Vorversuchen am Oberrhein wurden in Kooperation mit der Universität für Bodenkultur – Wien Radiotelemetrie-Tracer in der Rheinsohle platziert, die Funksignale aussenden und deren Lage somit geortet werden kann [1, 2]. Die Tracer wurden in zwei Ausführungen getestet: 1) Sender ohne weitere Einhüllung, 2) Einbettung der Sender in einen „künstlichen Stein“, der insgesamt die Dichte und Größe von typischem Grobkies aufweist. Untersucht wurden nach der Tracer-Platzierung (Abb. 1) die maximale Ortungsdistanz sowie der Verlauf der Signalstärke abhängig von der Bauart (nicht umhüllt oder als künstliche Steine), Tiefe im Sediment, und Wassertiefe (Abb. 2).

Abb. 1: Einbringen von Tracern in die Rheinsohle.
Abb. 2: Ortung der Tracer vom Boot aus.

Die Vorversuche lieferten wertvolle Informationen bezüglich der Optimierung dieser innovativen Tracing-Methode für die Gegebenheiten am Oberrhein. Auf diese Weise erfasste Daten unterstützen beispielsweise bei der Bearbeitung von Fragestellungen der Morphodynamik (hier im Bereich der Geschiebezugabe Iffezheim und unterstrom), unter anderem zum Verständnis von Prozessen der Deckschichtbildung oder Sohlaufhöhung. Die Radiotelemetrie-Tracer vereinen dabei eine Reihe von Vorteilen in sich, wie z. B. eine hohe zeitliche und räumliche Auflösung der Messdaten, die Möglichkeit zur individuellen Nachverfolgung von Tracer-Steinen, eine hohe Wiederauffindbarkeit bei langer Lebensdauer und Laufzeit, sowie einen verhältnismäßig geringen personellen und technischen Aufwand.
Ein Video zur beschriebenen Kampagne am Oberrhein ist im Infozentrum Wasserbau bereitgestellt [3], eine Bilderserie kann auf Flickr eingesehen werden [4].

Im November und Dezember wurde über einen Zeitraum von vier Wochen die Rheinsohle von Zons bis Duisburg beprobt. Hintergrund ist der Bedarf an Datenreihen, die einerseits u. a. die WSV bei der Erfolgskontrolle der Geschiebezugabe Niederrhein unterstützen, und andererseits der BAW zur Validierung und Kalibrierung von Feststofftransportmodellen dienen. Im Bereich von Rh-km 720,0 bis 777,0 wurden je Kilometer an 3 – 5 Punkten entlang des Querprofils Schürfproben von der Deck- und Unterschicht genommen sowie eine Geschiebeansprache und eventuelle Besonderheiten fotografisch und schriftlich dokumentiert (Abb. 3). Auf den 57 km Strecke wurden insgesamt 248 Punkte angesteuert und beprobt (Abb. 4), wobei der relativ niedrige Wasserstand gerade im Bereich von Gleithängen und Buhnenfeldern bei manchen geplanten Probenpunkte die Anfahrt verhinderte. In der nächsten Stufe der Datenerhebung werden an der BAW die Sieblinien der Schürfproben ermittelt (Abb. 5).

Abb. 3: „’O Sohle mio“ bei Rh-km 724,2 (wg. Ankerverbots erfolgte die Probennahme an dieser Stelle nicht auf dem vollen Rh-km). (a) 233 m Abstand zum linken Hektometerstein, Gleithang am Ende einer Linkskrümmung; (b) 283 m Abstand zum linken Hektometerstein, etwa Fahrrinnenmitte; (c) 383 m Abstand zum linken Hektometerstein, Kolkverbau.

Auch wenn einzelne Abläufe solcher Kampagnen sich oft wiederholen und damit bald zur unspektakulären Routine werden, bleibt die Möglichkeit, in einer Taucherglocke auf der Rheinsohle zu stehen, etwas Besonderes: Der Weg zur Arbeit (Abb. 6), die Geräuschkulisse aus Druckluftzischen, Wasserrauschen, Motorbrummen, der Schleusungsvorgang, der sich anfühlt wie ein sehr schneller Sink- oder Steigflug mit sehr großem Höhenunterschied, die Spannung darauf, welche Objekte und Formen man nach dem Absetzen vorfindet und welche Prozesse an der Sohle erkennbar sind, das Rieseln des Geschiebetriebs, der von außen an die Glocke prasselt, das Knirschen und Knacken beim Aufsetzen der Glocke auf Kolkverbausteinen, das Drehen des TGS und der abgesetzten Glocke bei Begegnungsverkehr, und vieles mehr führen insgesamt zu einer außergewöhnlichen Erfahrung.

Abb. 4: Positionen der Schürfproben in den Düsseldörfer und Krefelder Bögen.
Rhein geschaufelt: Zahlreiche Schürfproben sind im Eimer.
Abb. 5: Zwischenergebnis der Schürfprobennahme.

Unser bester Dank für die tatkräftige Unterstützung bei Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung der Kampagnen geht an die Besatzung des TGS „Carl Straat“, die zudem eingebundenen WSV-Schiffe, die beteiligten Außenbezirke, und auch an viele Helfende der BAW!

Auch im Jahre 2021 soll es wieder BAW-Kampagnen in der Taucherglocke geben – dann allerdings auf Archimedes, dem Nachfolgeschiff des TGS „Carl Straat“.

Abb. 6: Abstieg durch die Röhre in die Glocke.

An der Entstehung dieses Beitrages haben Martin Struck und Regina Patzwahl mitgewirkt.

Quellen:
[1] https://onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1002/esp.3338
[2] https://link.springer.com/article/10.1007/s00506-012-0035-5
[3] https://izw-campus.baw.de/goto.php?target=cat_2012&client_id=iliasclient
(siehe auch https://youtu.be/qXR5nlG5itU)
[4] https://www.flickr.com/photos/bundesanstalt_fuer_wasserbau/albums/72157716277074536
(eine erweiterte Bildauswahl bietet eine Suche nach „Straat“ auf https://izw-medienarchiv.baw.de/search)

Bauteilversuche in der Schleuse Oberesslingen

Die Bundesanstalt für Wasserbau (BAW) und das Wasserstraßen-Neubauamt Heidelberg (WNA) laden Bauunternehmen und Planungsbüros mit fundierten Erfahrungen im Schleusenbau (Massivbau und Stahlwasserbau) zu einem Interessendialog ein. Die Gespräche dienen dazu, die Vergabe der Planungs- und Bauleistungen für das innovative Pilotprojekt „Bauteilversuche in Oberesslingen“ vorzubereiten, um die Herausforderungen des Projekts von Anfang an partnerschaftlich zusammen mit der Bauindustrie zu lösen.

Instandsetzung unter Betrieb an der Schleuse Feudenheim (2009)

Die Planungs- und Bauleistungen für die Bauteilversuche in Oberesslingen werden im Anschluss an den Interessendialog voraussichtlich Mitte 2021 in einem Verhandlungsverfahren mit vorherigem europaweiten Teilnahmewettbewerb ausgeschrieben.

Im Pilotprojekt sollen Bauteilversuche an der rechten Kammer der Schleuse Oberesslingen als Musterschleuse durchgeführt werden. BAW und WNA möchten mit den Bauteilversuchen bautechnischen Verfahren in der Praxis erproben, die sie im Rahmen des Gesamtprojekts „Instandsetzung unter Betrieb“ (IuB) als Alternativen zu herkömmlichen Bauweisen speziell entwickelt haben, um Einkammerschleusen künftig unter laufendem Schifffahrtsbetrieb instand zu setzen. 

Ziel des Gesamtprojektes IuB ist es, die bautechnischen Verfahren in der Praxis zu testen, Leistungsdaten zu ermitteln und die Ergebnisse anschließend als modulare Lösungen für typische Instandsetzungsaufgaben in einer Handlungsempfehlung („Modulbaukasten“) für alle zukünftigen Instandsetzungen unter Betrieb zusammenzustellen.

Interessierte Unternehmen können bis zum 31.03.21 per E-Mail an die BAW (E-Mail: bauteilversuche@baw.de) melden, um an dem Interessendialog teilzunehmen.

Details zu den Zielen und geplanten technischen Verfahren der Bauteilversuche sowie zum Ablauf des Interessendialogs und des nachfolgenden Vergabeverfahrens sind dem Informationspapier zu entnehmen.

Weitere Informationen werden zeitnah hier hinterlegt